Ungenaue Sprache

Geschiedene, Choleriker und Siri-Nutzer wissen: Ein falsches Wort kann böse Folgen haben. In wissenschaftlichen Texten stiften schlecht gewählte Wörter zumindest Verwirrung. Schlimmstenfalls können sie aber Zweifel an der Kompetenz des Autors hervorrufen.

Wer einen Text schreibt, läuft ständig Gefahr, unpassende Wörter zu wählen. Wenn du dir die tückischsten Fallgruben vor Augen führst, die wir im Folgenden erklären, wirst du beim Schreiben sicherer und präziser.

Präzise Begriffe

Noch bevor du mit dem Schreiben beginnst, solltest du dir die Bedeutung von Fachbegriffen, die für deine Arbeit zentral sind, noch einmal genau verdeutlichen.

Es kann nützlich sein, dir dafür ein Glossar anzulegen, auch wenn das gar kein Teil der Abschlussarbeit werden soll. Es wirkt außerdem inkompetent, wenn du Grundbegriffe deines Fachbereichs nicht gut kennst.

Auf die Verwendung von Synonymen (also von Begriffen mit gleicher Bedeutung) solcher Wörter solltest du in der Regel verzichten, weil es dann unklar sein kann, ob du mit dieser Variation irgendeine Aussage beabsichtigst.

Fachbegriffe wiederholen sich – das lässt sich kaum vermeiden.

Übliche Wortverbindungen (Phraseologismen)

Viele Wörter werden oft in Verbindung mit bestimmten anderen Wörtern verwendet. Solche Kombinationen nennt man Phraseologismen.

Wir gebrauchen sie ständig und merken es meist gar nicht, wenn wir zum Beispiel sagen:

  • essen gehen und nicht etwa umständlich: zum Essen in ein Restaurant gehen
  • nach etwas suchen anstatt: für etwas suchen
  • aus der Reihe tanzen langweilig, umständlich und nicht bildhaft wäre: etwas anders machen als andere

Wenn du in wissenschaftlichen Texten Wortverbindungen wählst, die unüblich sind, baust du in deinen Text Stolpersteine ein.

Solche Texte sollen aber flüssig zu lesen und gut verständlich sein, damit der Leser sich ganz auf den Inhalt konzentrieren kann. Für kreative Formulierungen sind eher Erzählungen oder Gedichte der richtige Ort.

Für Hauptwörter werden oft Tätigkeitswörter gewählt, die eine seltsame Verbindung ergeben.

Beispiel

Es ist zum Beispiel üblich, eine (Forschungs-)Frage zu stellen, zu formulieren oder auch aufzuwerfen. Der Ausdruck eine Frage festsetzen ist hingegen ungebräuchlich.

Auch bei der Wahl von Präpositionen (Verhältniswörtern) werden häufig Fehler gemacht.

Beispiel

So besteht eine Nachfrage nach etwas, andere Präpositionen (zu, für usw.) können an dieser Stelle ebenso wenig verwendet werden wie der Genitiv (Nachfrage der Bananen), wenn ausgedrückt werden soll, dass an etwas Bedarf besteht.

Ein guter Weg, passende Wortverbindungen zu finden, ist derjenige, einfache und naheliegende Formulierungen zu wählen. Verzichte lieber auf ausgefallene Ausdrücke, wenn du dir nicht ganz sicher bist, wie sie verwendet werden.

So ist dein Text vielleicht etwas weniger elegant, aber dafür klarer und leichter zu lesen. Eine Hilfe in Zweifelsfällen ist die Datenbank des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache.

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Sinn

Überhaupt solltest du vorzugsweise einfach formulieren und zum Beispiel komplexe Satzstrukturen vermeiden. So verhinderst du häufig bereits, dass unsinnige Sätze entstehen.

Unsinn offenbart sich oft erst auf den zweiten Blick, beim genaueren Lesen. Bevor du einen Absatz schreibst, solltest du zunächst genau verstehen, was du beschreiben möchtest. Das klingt trivial, aber tatsächlich schreiben viele Menschen versuchsweise und hoffen, dass sich der genaue Sinn beim Schreiben schon irgendwie ergibt.

Tipp

Stattdessen ist es sinnvoll, gerade an schwierigeren Stellen vor dem Schreiben etwa ein Baumdiagramm aufzumalen, das die Argumente darstellt und miteinander verbindet.

So können anschließend auch kausale Zusammenhänge leichter mit den geeigneten sprachlichen Mitteln (Präpositionen wie wegen, Konjunktionen wie weil, Konjunktionaladverbien/Konnektoren wie daher etc.) ausgedrückt werden.

Bezüge

Pronomen wie dieser, das oder es sind unverzichtbare Hilfsmittel, um Aussagen aufeinander zu beziehen. Falsche Bezüge können aber nicht nur irritieren, sondern schlimmstenfalls sogar zu fehlerhaften Aussagen führen.

Beispiel

Die Katze jagte die Maus. Diese verspeiste sie schließlich.

Das Demonstrativpronomen dieser bezieht sich auf dasjenige der Form nach zu ihm passende Wort, das zuletzt verwendet wurde – hier also Maus. Besser verständlich ist hier daher:

Beispiel

Die Katze jagte die Maus. Sie verspeiste diese schließlich.

Wenn du dir nicht völlig sicher bist, dass ein Pronomen einen korrekten Bezug zu einem Hauptwort hat, solltest du dieses Hauptwort lieber wiederholen, auch wenn das stilistisch nicht die hohe Schule ist. Denn dann ist die Textstelle zumindest richtig und klar.

Passende Verbindungen von Sätzen, Teilsätzen und Satzteilen

Flüssige Sprache zeichnet sich dadurch aus, dass die Sätze sinnvoll miteinander verbunden sind. Das gilt natürlich auch für Teilsätze und Satzteile.

Um die passenden Verbindungen in Form von Präpositionen (Verhältniswörtern, also durch, ohne, für, …), Konjunktionen (Bindewörtern: obwohl, weil, zumal, …) oder Konjunktionaladverbien (sie heißen auch Konnektoren, z. B. damit, folglich, dennoch, …) zu schaffen, solltest du dich mit diesen nützlichen Hilfsmitteln gründlich beschäftigen, falls du dir bei ihrer Verwendung noch nicht völlig sicher bist.

Dadurch gewinnst du ein Instrumentarium, das dir nicht nur zu besserem Schreiben, sondern auch zu klarerem Denken verhilft.

In der wissenschaftlichen Sprache ist es immer wieder erforderlich, Begründungen zu liefern und Kausalzusammenhänge herzustellen. Wenn du es unterlässt, zwei Sätze, zwischen denen ein solcher Zusammenhang besteht, entsprechend miteinander zu verknüpfen, muss der Leser diese gedankliche Arbeit leisten. Das ist aber deine Aufgabe als Autor.

Wenn die Aussage eines Satzes aus der des vorhergehenden folgt, kannst du zum Beispiel diese Wörter verwenden, um eine logische Verbindung herzustellen: daher, demnach, demzufolge, also, deswegen.

Beispiel

“Die Aussagen sind in der vorgesehenen Reihenfolge zu analysieren. Daher sollte diese Reihenfolge bekannt sein.”

Führst du hingegen ein weiteres Argument an oder gibst du eine zusätzliche Information, kannst du ein Wort nutzen, das dies betont und keine kausale Bedeutung hat, etwa: zudem, daneben, desgleichen.

Beispiel

“Die Kinder verspeisten den großen Kuchen. Zudem aßen sie alle Kekse auf.”

Oft ist es auch nötig, Gegensätze und Einschränkungen hervorzuheben. Dazu dienen unter anderen diese Wörter: dennoch, gleichwohl, allerdings, nichtsdestoweniger.

Beispiel

“Es gilt daher zwar der Konsens, dass man nicht nicht kommunizieren kann (vgl. Watzlawick, 2007, S. 53 ff.). Gleichwohl gibt es heute mehrere Studien, die das Gegenteil aufzeigen.”

Schreiben wird nicht ohne Grund scherzhaft als Handwerk bezeichnet. Auch wenn heute jeder einen Text in sein Smartphone diktieren kann und nicht mehr zu tippen braucht, muss der Schreibende bei seiner Arbeit doch mit derselben Präzision wie ein Tischler, ein Bäcker oder gar ein Goldschmied vorgehen. Diese Handwerker können es sich nicht erlauben, nicht genau zu messen.

Du als Autor solltest versuchen, ähnlich genau zu schreiben, damit deinen Lesern ‚dein Brot schmeckt‘.

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Luca Corrieri

Luca ist der “Daten-Junkie” von Scribbr. Luca vereinfacht dir die Suche nach Informationen, indem er Artikel zur Beantwortung deiner Fragen verfasst. Er selbst ist auch Student und macht gerade seinen Master in Business Administration.

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