Alles Wissenswerte über das Gendern

Gendern bedeutet, einen Text so zu verfassen, dass nicht nur Männer, sondern auch alle anderen Geschlechter sprachlich darin abgebildet werden. Dazu kannst du verschiedene Genderstile verwenden.

Die Idee ist, das generische Maskulinum nicht länger zu benutzen, wenn auch Frauen sowie nonbinäre und intersexuelle Menschen angesprochen oder gemeint sind.

An den meisten Universitäten und Hochschulen, aber auch in anderen öffentlichen Einrichtungen sowie Teilen des öffentlichen Rundfunks, ist Gendern mittlerweile die Norm.

Gendersensibel, genderneutral, gendergerecht
Es gibt verschiedene Ansätze, um Texte zu gendern. Werden sie genderneutral verfasst, können keine Rückschlüsse mehr auf das Geschlecht der beschriebenen Person gezogen werden.
Sind Texte hingegen gendersensibel verfasst, sollen möglichst viele Geschlechter ihre sprachliche Abbildung finden. Dies wird oft durch den Einsatz von Sonderzeichen angestrebt.
Beide Schreibweisen sind gendergerecht, stellen also die Geschlechter gleichberechtigt in einem Text dar.

Gendern gemäß den Rechtschreibregeln

Nicht alle weitverbreiteten Genderstile sind von der amtlichen Rechtschreibung abgedeckt. Aber auch innerhalb der offiziellen Richtlinien gibt es Raum für gendergerechte Sprache.

Neutrale Formulierungen

Neutrale Formulierungen enthalten keine Informationen bezüglich des Geschlechts der beschriebenen Personen. Mit neutralen Alternativen können Texte leicht geschlechtsneutral gemacht werden, ohne sich dabei negativ auf die Lesbarkeit oder Barrierefreiheit auszuwirken.

  • Forscher → Forschende
  • Passagiere → Reisende

Paarform

Bei der Paarform, auch Doppelnennung genannt, werden sowohl die männliche als auch die weibliche Form des Worts voll ausgeschrieben. Dies ist eine einfache und barrierefreie Methode des Genderns. Allerdings nimmt diese Schreibweise viel Platz ein und bildet keine nonbinären Personen ab.

  • Kolleginnen und Kollegen
  • Wählerinnen/Wähler

Gendern mit Schrägstrich und Bindestrich

Das Gendern mit Schrägstrich und Bindestrich ist der einzige verkürzte Genderstil mit Sonderzeichen, der durch offiziellen Rechtschreibregeln anerkannt ist.

Schrägstrich und Bindestrich werden dabei zwischen den zwei geschlechtsspezifischen Wortendungen platziert.

  • Wähler/-innen
  • Absolvent/-in
Hinweis
Neben den Genderstilen, die von den Rechtschreibregeln abgedeckt sind, gibt es noch zahlreiche weitere Schreibweisen, zum Beispiel:

Diskussion rund um das Thema Gendern

Gendern ist mit der Zeit immer wichtiger geworden und wird kontrovers diskutiert. Hier werden einige der Argumente dargestellt.

Pro
Befürwortende des Genderns sehen in gendergerechter Sprache eine Chance, auf sprachlicher Ebene für mehr Gleichberechtigung zu sorgen und Diskriminierung zu vermeiden.

In Studien (z. B. Stahlberg & Sczesny, 2001) wurde gezeigt, dass Testpersonen sich eher Männer vorstellen, wenn Personenbezeichnungen im generischen Maskulinum stehen. Gegenderte Personenbezeichnungen hingegen führten dazu, dass die gleichen Testpersonen eher auch an Frauen dachten.

Gegenderte Sprache hat auch den Vorteil, dass es zu jedem Zeitpunkt eindeutig ist, wer tatsächlich gemeint oder angesprochen ist. Dadurch können Missverständnisse vermieden werden.

Contra
Argumente gegen das Gendern sind beispielsweise die mangelnde Barrierefreiheit, vor allem in Bezug auf Genderstile mit Sonderzeichen. Diese Schreibweisen werden von Screenreadern in der Regel nicht sinnvoll vorgelesen, wodurch sie für Blinde und Menschen mit Sehbeeinträchtigung schwerer zu verstehen sind. Dieses Problem ist durch die Verwendung von neutralen Formulierungen jedoch leicht zu vermeiden.

Ebenfalls wird kritisiert, dass gegenderte Texte eine schlechtere Lesbarkeit aufweisen als Texte im generischen Maskulinum und so der Lesefluss gestört wird. Auch dies kann allerdings vermieden werden, indem statt mit Sonderzeichen mehr mit neutralen Formulierungen gegendert wird.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass durch das Gendern das Geschlecht der beschriebenen Personen zu sehr in den Vordergrund gerückt wird. Mit neutralen Formulierungen kann auch dieses Problem leicht umgangen werden.

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Gendern in Institutionen und den Medien

Das Gendern wird in immer mehr öffentlichen Institutionen, Medien und Firmen zur Norm.

In den Stadtverwaltungen von Hannover und Kiel sowie dem NDR wird konsequent mit Gendersternchen gegendert.

Bei der Tagesschau wird teilweise mit dem Glottisschlag gesprochen, also einer kurzen Pause zwischen den geschlechtsspezifischen Wortendungen.

Das Medienangebot Funk nutzt den Doppelpunkt zum Gendern, ebenso wie der Musikdienst Spotify und das soziale Netzwerk LinkedIn.

Gendern in wissenschaftlichen Arbeiten

In wissenschaftlichen Arbeiten ist gendergerechte Sprache mittlerweile die Norm und kann je nach Bundesland sogar als Stilvorgabe in die Benotung von Haus- und Abschlussarbeiten einfließen.

Doch selbst wenn es nicht explizit gefordert ist, hat das Gendern in wissenschaftlichen Arbeiten viele Vorteile. Anders als bei der Verwendung des generischen Maskulinums ist in einem gegenderten Text immer klar, welche Personen tatsächlich gemeint und angesprochen sind. Gendergerechte Sprache ist also präziser und vorurteilsfrei.

Die meisten Universitäten und Hochschulen veröffentlichen ihre eigenen Genderrichtlinien. Darin wird dargelegt, welche Genderstile an der jeweiligen Universität akzeptiert werden. Meistens wird den Studierenden Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Schreibweisen gelassen. Studierende werden angeregt, sich selbst kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich für den Stil zu entscheiden, der am besten zu ihnen passt.

Beispiele für Genderrichtlinien

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Gendern?

Gendern bedeutet, einen Text geschlechtsneutral bzw. geschlechtersensibel zu verfassen und nicht im generischen Maskulinum zu schreiben.

Wie kann ich richtig gendern?

Richtig gendern ist ganz einfach, wenn du ein paar Grundregeln beachtest.

Verwende neutrale Formulierungen, wann immer dies möglich und sinnvoll ist. Dadurch stellst du sicher, dass dein Text gut lesbar bleibt und du schließt kein Geschlecht sprachlich aus.

Wenn dies nicht möglich ist, hast du die Wahl, dudenkonform mit Paarform oder Schrägstrich zu gendern. Dies hat den Nachteil, dass dabei nonbinäre Personen nicht angesprochen werden.

Darüber hinaus kannst du dich dazu entscheiden, mit dem Gendersternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I zu gendern. Achte nur darauf, immer zuerst die Weglassprobe zu machen und die Schreibweisen nicht zu mischen.

Wie gendere ich dudenkonform?

Wenn du gemäß der offiziellen Rechtschreibregeln richtig gendern möchtest, kannst du neutrale Formulierungen verwenden oder mit Paarform bzw. Schrägstrich und Bindestrich gendern.

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Hannah Sill

Hallo, ich bin Hannah und habe Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt VWL studiert. Jetzt möchte ich Studierenden dabei helfen, ihr Studium erfolgreich abzuschließen und schreibe Artikel rund um das Thema Studium und Uni. Wenn du Fragen hast, hinterlasse gerne einen Kommentar!