Generisches Maskulinum

Das generische Maskulinum beschreibt die Verwendung der männlichen grammatikalischen Form unabhängig vom Geschlecht der beschriebenen Personen.

  • Jeder Schüler möchte gute Noten haben.

Es geht aus dem Satz nicht hervor, ob nur männliche oder sowohl Schüler als auch Schülerinnen gemeint sind. Daher wird das generische Maskulinum als ungenau kritisiert.

Wenn nicht klar wird, ob es wirklich nur um männliche Personen oder sowohl um männliche als auch um weibliche Personen geht, können Lesende nicht automatisch davon ausgehen, dass andere Geschlechter mitgemeint sind. Daher wird das generische Maskulinum von einigen Menschen als diskriminierend wahrgenommen.

In wissenschaftlichen Arbeiten ist die Verwendung des generischen Maskulinums daher in der Regel nicht ausreichend.

Beispiel
100 Probanden haben an dem Experiment teilgenommen.

Es ist möglich, dass alle 100 Probanden männlich waren. Falls dies aber nicht der Fall war, muss das explizit erwähnt werden, um Missverständnisse zu vermeiden.

50 Probanden und 50 Probandinnen haben an dem Experiment teilgenommen.
100 Testpersonen haben an dem Experiment teilgenommen.

Personenbezeichnungen im generischen Maskulinum

Personenbezeichnungen im generischen Maskulinum sind beispielsweise

  • Politiker,
  • Wissenschaftler oder
  • Aktivisten.

Aus dieser Schreibweise geht nicht zweifelsfrei hervor, ob es sich tatsächlich nur um männliche Personen handelt, oder ob auch weibliche Personen inbegriffen bzw. beteiligt sind.

Beispiel
  • Die anwesenden Politiker diskutierten das Thema Elternzeit.
  • Die anwesenden Politikerinnen und Politiker diskutierten das Thema Elternzeit.

Aus dem zweiten Satz geht klar hervor, dass Frauen an der Diskussion teilgenommen haben. Der erste Satz ist ambivalent und es wird nicht deutlich, ob hier das generische Maskulinum vorliegt oder tatsächlich nur Männer anwesend waren.

Abstrakte Personenbezeichnungen

Sind die Personenbezeichnungen abstrakt, d. h. es ist von einer Organisation oder Instanz statt einer Person die Rede, ist die alleinige Verwendung eines Genus unproblematisch.

Beachte
Ist die Organisation grammatikalisch weiblich, muss das Femininum verwendet werden.
  • Der Gesetzgeber schreibt vor…
  • Der Bund ist Kläger.
  • Die Schule ist Arbeitgeberin.
  • Die Schule ist Arbeitgeber.

Komposita

Komposita sind zusammengesetzte Wörter. Hier sind solche Komposita relevant, die aus einem Teil im generischen Maskulinum und einem neutralen Teil bestehen. ‚Neutral‘ beschreibt hier nicht den grammatikalischen Genus Neutrum, sondern welches Geschlecht aus dem Wortsinn hervorgeht.

Beispiel
Kundenservice
Kunden (männlich) + Service (hat kein Geschlecht)

1. Fall: Personenbezogene Komposita

Sind die Komposita personenbezogen, sollte das generische Maskulinum in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht verwendet werden. Stattdessen kannst du eine neutrale Formulierung wählen oder gendern.

  • Besucherzahlen → Anzahl von Besuchenden
  • Patientenverfügung → Patienten- oder Patientinnenverfügung

Die neutrale Alternative ist meistens die elegantere Lösung, da Gendern in vielen Fällen umständlich und schwer mit den Rechtschreibregeln zu vereinbaren ist.

2. Fall: Nicht personenbezogene Komposita

Wenn die Komposita keinen direkten Bezug zu Personen haben, kann das generische Maskulinum beibehalten werden.

  • Maurerkelle
  • Bürgersteig
  • Fleischermesser

In vielen Fällen gibt es jedoch auch neutrale Alternativen, mit denen dieser Fall umgangen werden kann.

  • Bürgersteig → Gehweg

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Pronomen

Einige Pronomen erfordern die Verwendung des generischen Maskulinums. In solchen Fällen solltest du den Satz am besten umschreiben, um das Problem vollständig zu umgehen.

  • Jeder der Teilnehmenden gab seinen Namen an.
  • Alle Teilnehmenden gaben ihre Namen an.
  • Man sollte sich seiner Fehler bewusst sein.
  • Wir sollten uns unserer Fehler bewusst sein.
Hinweis
Formulierungen mit ‚man‘ sollten in wissenschaftlichen Arbeiten ohnehin vermieden werden, da sie keinen guten wissenschaftlichen Stil darstellen.

Generisches Maskulinum in wissenschaftlichen Arbeiten

In wissenschaftlichen Arbeiten ist das generische Maskulinum nicht genau genug und sollte daher nicht verwendet werden. Richtiges Gendern gehört also zum wissenschaftlichen Schreibstil.

Ob beispielsweise Beteiligte an einer Studie männlich oder weiblich sind, kann einen Unterschied für die Interpretation der Ergebnisse machen. Ambivalenz ist daher durch richtiges Gendern zu vermeiden.

Auch treten Universitäten für vorurteilsfreie Sprache ein. Die Universität Hannover rät beispielsweise zu „diskriminierungsfreie[r], achtsame[r] und geschlechtergerechte[r] Sprache“. Dabei wird betont, dass es nicht nur eine richtige Schreibweise gibt, dieses Ziel zu erreichen.

Die meisten Universitäten und Hochschulen haben Genderrichtlinien veröffentlicht, in denen beschrieben wird, wie Studierende in ihren wissenschaftlichen Arbeiten gendern sollen. Als Stilvorgabe fließt dies oft auch in die Benotung ein.

Beispiele Genderrichtlinien

Generisches Maskulinum Hinweis

Ein Genderhinweis oder Gender-Disclaimer zu Beginn deiner Arbeit oder in einer Fußnote, in dem erklärt wird, das generische Maskulinum stehe stellvertretend für alle Geschlechter, ist nicht ausreichend und gilt als veraltet.

Beispiel
Die in der Abschlussarbeit gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche und männliche Personen.

Viele Dozierende lehnen diese Hinweise ab und es kann zu Notenabzug führen, wenn nicht richtig gegendert wurde.

Alternativen zum generischen Maskulinum

Um das Schreiben im generischen Maskulinum zu vermeiden, hast du verschiedene Möglichkeiten zu gendern.

1. Neutrale Formulierungen

Neutrale Formulierungen sind Wörter, aus denen das Geschlecht der jeweiligen Person nicht hervorgeht. Dies ist in der Regel die beste Wahl, da Texte so lesbar bleiben und kein Geschlecht außen vor gelassen wird.

  • Studenten → Studierende
  • Probanden → Testpersonen
  • Leser → Lesende

2. Doppelnennungen oder Gendern mit Schrägstrich

Wenn es für ein Wort keine gute neutrale Alternative gibt, kannst du auch mit der Doppelnennung oder mit Schrägstrich und Bindestrich gendern. Dies ist in der Rechtschreibung offiziell erlaubt.

  • Schüler → Schüler/-innen
  • Kunden → Kunden/Kundinnen
  • Patienten → Patienten und Patientinnen

3. Andere Genderschreibweisen

Wenn deine Universität es erlaubt, kannst du auch eine andere Genderschreibweise wählen, z. B. mit Sternchen, Doppelpunkt, Binnen-I oder Unterstrich. Entscheide dich für eine Schreibweise und wende sie konsequent an.

  • Professor*in
  • Krankenpfleger:innen
  • Autor_in
  • FußgängerIn

Häufig gestellte Fragen

Was ist das generische Maskulinum?

Das generische Maskulinum beschreibt die Verwendung der männlichen grammatikalischen Form unabhängig vom Geschlecht der beschriebenen Personen.

  • Etwa hundert Aktivisten nahmen an der Demonstration teil.
  • Allen Probanden wurde eine Nummer zugeteilt.

Aus diesen Sätzen geht nicht hervor, ob die Beteiligten tatsächlich ausschließlich männlich waren oder ob sowohl Männer als auch Frauen gemeint sind. Daher ist die Verwendung des generischen Maskulinums unpräzise und kann zu Missverständnissen führen.

Ist ein Genderhinweis oder Gender-Disclaimer ausreichend?

Nein, ein Genderhinweis oder Gender-Disclaimer zur Verwendung des generischen Maskulinums ist in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht ausreichend.

Warum ist das generische Maskulinum nicht für wissenschaftliche Texte geeignet?

Das generische Maskulinum ist zu ungenau. Es geht aus einem Satz im generischen Maskulinum nicht hervor, ob die erwähnten Personen tatsächlich männlich sind oder ob Frauen und Menschen anderen Geschlechts ‚mitgemeint‘ sind.

Dies hat allerdings wichtige Implikationen in der Wissenschaft und darf daher nicht unklar bleiben.

Wie kann ich das generische Maskulinum vermeiden?

Du kannst das generische Maskulinum ganz einfach vermeiden, indem du stattdessen neutrale Formulierungen verwendest oder genderst. Das geht z. B. mit Doppelnennung, Schrägstrich, Sternchen oder Doppelpunkt. Halte dich an die Richtlinien deiner Hochschule.

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Hannah Sill

Hallo, ich bin Hannah und habe Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt VWL studiert. Jetzt möchte ich Studierenden dabei helfen, ihr Studium erfolgreich abzuschließen und schreibe Artikel rund um das Thema Studium und Uni. Wenn du Fragen hast, hinterlasse gerne einen Kommentar!