Richtig gendern auf einen Blick

Richtiges Gendern ist an vielen Universitäten mittlerweile selbstverständlich. Auch in bekannten Medien und in den meisten offiziellen Einrichtungen wird großer Wert auf geschlechtergerechte Sprache gelegt.

Wenn du ein paar einfache Grundregeln beachtest, kannst du jeden Text richtig gendern und dabei die Lesbarkeit und Verständlichkeit sogar noch verbessern.

Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten, deinen Text geschlechtergerecht zu formulieren:

  1. Neutrale Formulierungen
  2. Paarform
  3. Gendern mit Sonderzeichen

Zum Gendern mit Sonderzeichen gehören das Gendersternchen sowie das Gendern mit Doppelpunkt, Unterstrich, Schrägstrich und Binnen-I.

Richtig gendern Beispiel: ‚Mitarbeiter‘

  • neutral: Mitarbeitende
  • Paarform: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
  • Schrägstrich: Mitarbeiter/-innen
  • Sternchen: Mitarbeiter*innen
  • Unterstrich: Mitarbeiter_innen
  • Doppelpunkt: Mitarbeiter:innen
Beachte
Nicht alle Wörter lassen sich mit allen Genderstilen gendern und nicht alle Genderstile entsprechen der amtlichen Rechtschreibung. Wir erklären dir, wann du welche Schreibweise verwenden kannst.

Neutrale Formulierungen von Scribbr empfohlen

Neutrale Formulierungen sind geschlechtsneutrale Schreibweisen. Aus ihnen geht keine darüber Information hervor, welches Geschlecht die beschriebenen Personen haben.

Gegenüber anderen Formen des Genderns haben sie den Vorteil, dass sie den Lesefluss nicht stören, barrierefrei und platzsparend sind, ohne dass dabei ein Geschlecht grammatikalisch ausgeschlossen wird.

Daher empfehlen wir, sofern möglich immer eine neutrale Formulierung zu verwenden.

  • Studenten → Studierende
  • Probanden → Testpersonen
  • Kollegen → Kollegschaft
  • Pfleger → Pflegende
Vorteile Nachteile
Teil der amtlichen Rechtschreibung Nicht bei allen Wörtern möglich
Barrierefrei Partizipien beschreiben meistens eine Tätigkeit, die gerade ausgeführt wird. Diese Bedeutung geht beim Gendern verloren.
Schließt alle Geschlechter ein
Platzsparend

Paarform

Bei der Paarform werden von einem Wort sowohl die männliche als auch die weibliche Form genannt. Um Platz zu sparen, kann zwischen den Wörtern ein Schrägstrich platziert werden.

  • Schüler und Schülerinnen
  • der Patient oder die Patientin
  • Professoren/Professorinnen
Vorteile Nachteile
Teil der amtlichen Rechtschreibung Nimmt viel Platz ein
Barrierefrei Bildet nur zwei Geschlechter ab

Fällt dir Gendern manchmal schwer?

Wir können helfen! Die neue Scribbr-Genderprüfung

  • findet nicht gegenderte Begriffe.
  • schlägt alternative Formulierungen vor.
  • dauert nur ein paar Minuten.

Mehr erfahren

Gendern mit Sonderzeichen mit der einfachen Weglassprobe

Das Gendern mit Sonderzeichen umfasst die Genderstile mit Gendersternchen, Doppelpunkt, Unterstrich, Schrägstrich oder Binnen-I.

Beim Gendern mit Sonderzeichen wird das jeweilige Zeichen zwischen der männlichen und der weiblichen Wortendung platziert. Wird mit dem Binnen-I gegendert, wird der erste Buchstabe der längeren Wortendung großgeschrieben.

Wenn du mit Sonderzeichen gendern möchtest, solltest du immer die Weglassprobe machen.

Weglassprobe
Schritt 1: Lies das gegenderte Wort von vorne bis hinten. Es muss sinnvoll, vollständig und grammatikalisch korrekt sein.

Schritt 2: Lies das Wort außerdem bis zum Genderzeichen. Auch dieser Wortteil muss sinnvoll und grammatikalisch korrekt sein. Selbst wenn also der Wortteil nach dem Genderzeichen weggelassen wird, muss das Wort im Kontext des Satzes vollständig sein.

Ist beides gegeben, kannst du das Wort mit einem Sonderzeichen gendern. Anderenfalls solltest du eine neutrale Formulierung verwenden oder auf die Paarform ausweichen.

  • Ein*e Student*in ist korrekt, aber
  • die Student*innen ist falsch, da die Endung ‚en‘ von ‚Studenten‘ fehlt.
  • Ein:e Manager:in ist korrekt, aber
  • des/der Mangers:in ist falsch, da ‚Managersin‘ kein Wort ist.
  • Kund_in → ‚Kund‘ ist kein Wort.
  • Ärzt/-in → ‚Ärzt‘ ist kein Wort, die männliche Form ‚Arzt‘ fehlt.
Beachte
Keiner der Genderstile mit Sonderzeichen ist völlig barrierefrei. Screenreader können diese Wortformen meistens nicht richtig vorlesen.

Verkürzte Doppelnennung mit Schrägstrich und Bindestrich

Die verkürzte Doppelnennung mit Schrägstrich ist die einzige Genderschreibweise mit Sonderzeichen, die von den amtlichen Rechtschreibregeln abgedeckt ist.

Dabei muss innerhalb eines Worts immer ein Schrägstrich und ein Bindestrich gesetzt werden.

Dies entspricht genau der Paarform, die zu einem Wort verkürzt wird.

  • der/die Radfahrer/-in
  • ein/-e Sportler/-in
Vorteile Nachteile
Teil der amtlichen Rechtschreibung Nicht barrierefrei
Weitverbreitet Bildet nur zwei Geschlechter ab

Gendersternchen

Das Gendersternchen ist eines der am häufigsten zum Gendern verwendeten Sonderzeichen.

Das Sternchen soll alle Geschlechter symbolisieren, die durch die gewöhnliche Grammatik nicht abgebildet werden.

  • ein*e Minister*in
  • die Wissenschaftler*innen
Vorteile Nachteile
Bildet mehr als zwei Geschlechter ab Nicht Teil der amtlichen Rechtschreibung
Weitverbreitet Nicht barrierefrei

Gendern mit Doppelpunkt

Das Gendern mit Doppelpunkt ist weniger verbreitet als die Schreibweise mit Sternchen, ist jedoch immer häufiger zu sehen.

  • ein:e Forscher:in
  • die Handwerker:innen
Vorteile Nachteile
Bildet mehr als zwei Geschlechter ab Nicht Teil der amtlichen Rechtschreibung
Nicht barrierefrei

Gendern mit Unterstrich

Der zum Gendern verwendete Unterstrich wird auch als Gendergap bezeichnet.

  • ein_e Akteur_in
  • die Beobachter_innen
Vorteile Nachteile
Bildet mehr als zwei Geschlechter ab Nicht Teil der amtlichen Rechtschreibung
Nicht barrierefrei

Gendern mit Binnen-I

Um mit dem Binnen-I zu gendern, wird der erste Buchstabe der längeren Wortendung großgeschrieben. Meistens ist das die weibliche Wortendung, jedoch gibt es Ausnahmen.

Der großgeschriebene Buchstabe ist nicht immer wirklich ein I.

  • einE PolizistIn
  • einE BeamteR
  • die MusikerInnen
Vorteile Nachteile
Weitverbreitet Nicht Teil der amtlichen Rechtschreibung
Nicht barrierefrei
Bildet nur zwei Geschlechter ab

Komposita

Komposita sind zusammengesetzte Wörter. Für das Gendern sind solche Komposita relevant, die mindestens einen geschlechtsspezifischen Wortteil beinhalten.

Laut Duden sollen solche Wörter geschlechtsneutral geschrieben werden, wenn sie sich konkret auf Personen beziehen.

Beispiel: Künstlerkollektiv
Künstler (männlich) + Kollektiv (neutral)

  • Künstler- und Künstlerinnenkollektiv
  • Künstler/-innenkollektiv

Personenbezogene Komposita

Wenn sich die zusammengesetzten Wörter auf konkrete Menschen beziehen, sollten sie gegendert werden bzw. durch eine neutrale Alternative ersetzt werden.

  • Expertenwissen → Fachwissen
  • Kundenbetreuung → Kunden- und Kundinnenbetreuung

Nicht personenbezogene Komposita

Wenn der konkrete Personenbezug in einem zusammengesetzten Wort nicht gegeben ist, muss dieses Wort nicht gegendert werden.

  • Maurerkelle
  • Schneidersitz

Trotzdem kann es sich anbieten, in solchen Fällen eine neutrale Alternative zu verwenden.

  • Bürgersteig → Gehweg

Gendern in wissenschaftlichen Arbeiten

Die meisten Universitäten und Hochschulen im deutschsprachigen Raum haben Richtlinien zum richtigen Gendern veröffentlicht.

Als Stilvorgabe fließt richtiges Gendern oft in die Bewertung von Haus- und Abschlussarbeiten ein.

Während nur neutrale Formulierungen, Doppelnennungen und das Gendern mit Schrägstrich Teil der offiziellen Rechtschreibregeln sind, werden an den meisten Universitäten auch andere Schreibweisen akzeptiert. Den Studierenden wird dabei oft Wahlfreiheit eingeräumt.

Beispiele Genderrichtlinien

Genderhinweis

Ein Genderhinweis zu Beginn einer Arbeit soll darauf hinweisen, dass das generische Maskulinum verwendet wird, aber stellvertretend für alle Geschlechter steht.

Beispiel
Die in der Abschlussarbeit gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche und männliche Personen.

Von den meisten Betreuungspersonen werden Gender-Disclaimer als nicht ausreichend betrachtet.

Wenn richtiges Gendern in die Benotung einfließt, kann es trotz eines Genderhinweises zu einem Notenabzug kommen. Wir empfehlen daher, ihn grundsätzlich nicht zu verwenden, sondern stattdessen mit neutralen Formulierungen und einer durchgehend angewandten Genderschreibweise geschlechtergerecht zu schreiben.

Verwendung und Verbreitung von Genderstilen

Das Gendersternchen ist eine der am häufigsten verwendeten Genderschreibweisen und wird beispielsweise vom NDR und verschiedenen Stadtverwaltungen eingesetzt, darunter Kiel und Stuttgart.

Andere Stadtverwaltungen, darunter Lübeck und Bremen, verwenden stattdessen den Doppelpunkt zum Gendern. Auch das Medienangebot Funk von den Öffentlich-Rechtlichen hat sich für diese Schreibweise entschieden.

In der Tagesschau wird mit dem Glottisschlag, also einer kurzen Pause zwischen den zwei geschlechtsspezifischen Wortendungen, gesprochen. So wird die durch Sonderzeichen entstehende Lücke beim Gendern sprachlich verdeutlicht.

Die Entscheidung von Audi, mit dem Unterstrich zu gendern, hat ebenfalls viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. Bei Instagram und LinkedIn wird hingegen der Doppelpunkt verwendet.

Gendern ist mittlerweile im Alltag angekommen. Die verschiedenen Schreibweisen werden in unterschiedlichen offiziellen Institutionen oder von bekannten Medien verwendet. Einen Konsens, welche Schreibweise die beste ist, gibt es jedoch nicht.

Tipp
Bereitet dir Gendern manchmal Kopfzerbrechen? Wir helfen dir, die besten neutralen Formulierungen zu finden.
Zur Genderprüfung

Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich richtig gendern?

Richtig gendern ist ganz einfach, wenn du ein paar Grundregeln beachtest.

Verwende neutrale Formulierungen, wann immer dies möglich und sinnvoll ist. Dadurch stellst du sicher, dass dein Text gut lesbar bleibt und du schließt kein Geschlecht sprachlich aus.

Wenn dies nicht möglich ist, hast du die Wahl, dudenkonform mit Paarform oder Schrägstrich zu gendern. Dies hat den Nachteil, dass dabei nonbinäre Personen nicht angesprochen werden.

Darüber hinaus kannst du dich dazu entscheiden, mit dem Gendersternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I zu gendern. Achte nur darauf, immer zuerst die Weglassprobe zu machen und die Schreibweisen nicht zu mischen.

Ist Gendern grammatikalisch richtig?

Du kannst grammatikalisch einfach richtig gendern, indem du neutrale Formulierungen zum Gendern verwendest. Das gleiche gilt für das Gendern mit Paarform oder Schrägstrich.

Das Gendern mit Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I ist nicht von der amtlichen Rechtschreibung abgedeckt.

Wie gendere ich dudenkonform?

Wenn du gemäß der offiziellen Rechtschreibregeln richtig gendern möchtest, kannst du neutrale Formulierungen verwenden oder mit Paarform bzw. Schrägstrich und Bindestrich gendern.

Wie gendere ich in wissenschaftlichen Arbeiten?

Beim Gendern in einer wissenschaftlichen Arbeit solltest du dich in erster Linie an die Richtlinien deiner Universität oder Hochschule halten. Die meisten Hochschulen veröffentlichen Genderrichtlinien, nach denen du dich richten kannst.

Wenn du dir nicht sicher bist, kannst du gemäß der offiziellen Rechtschreibregeln neutrale Formulierungen wählen. Auch das Gendern mit Paarform oder Schrägstrich und Bindestrich ist dudenkonform.

War dieser Artikel hilfreich?