Wortstellung für einen klaren Satzbau

In einem wissenschaftlichen Text ist Klarheit vonnöten. Denn sein Inhalt ist häufig bereits komplex, also soll die Sprache das Verständnis nicht noch unnötig erschweren.

Ein einfacher, klarer Satzbau ist ein wesentlicher Teil akademischen Stils. Gerade die festen Regeln, die es zur Wortstellung gibt, sollten dabei auch eingehalten werden.

Schauen wir uns Fälle an, in denen häufig klare Fehler gemacht werden.

Die Anordnung der grundlegenden Satzteile

Wir sprechen anders, als wir schreiben. Neben der Wortwahl zeigt sich das vor allem in der Wortstellung.

Wenn wir im Alltag mit jemandem reden, ergänzen wir unsere Aussagen während des Sprechens ständig, fügen etwas hinzu oder schränken ein.

Dadurch wirken manche gesprochenen Sätze wie zusammengewürfelt – die deutsche Sprache lässt das zu.

Beispiel

Gesprochene Unterhaltung: “Ich kenn aber auch alle Hauptstädte auswendig inzwischen, also alle.”; “Kannst du mir das sagen jetzt, aber schnell bitte?”

Einfache Hauptsätze

Ein einfacher Satz besteht aus einem Subjekt und einem Prädikat. Häufig ist aber auch mindestens ein Objekt enthalten.

Über das Subjekt wird eine Aussage getroffen, zum Beispiel tut es etwas oder es wird eine Eigenschaft von ihm geschildert.

Das Prädikat enthält diese Handlung oder Beschreibung.

Ein Objekt ist etwas, das einer Handlung ‚unterworfen‘ (das ist auch die wörtliche Bedeutung) ist.

Beispiel

  • Ich esse eine Schnitte.
  • Er dankt der Krankenschwester.
  • Sie gedenkt ihrer Großeltern.

Subjekt, Prädikat und Objekt können im Deutschen weitgehend frei verschoben werden. In den folgenden Beispielen ist das Subjekt ‚der Student‘, das Prädikat ‚liest‘ und das Objekt ‚ein Buch‘. Es handelt sich um einfache Hauptsätze:

  • Der Student liest ein Buch.
  • Ein Buch liest der Student.
  • Liest der Student ein Buch.
  • Ein Buch der Student liest.
  • Liest ein Buch der Student.
  • Der Student ein Buch liest.

Nur die ersten beiden Beispiele enthalten eine standardsprachliche Wortstellung (SubjektPrädikatObjekt). Die übrigen findet man zum Beispiel in Gedichten – sie sind also nicht falsch, sondern unüblich.

Nebensätze und Fragen

In vielen Nebensätzen und Fragen weicht die Wortstellung von der in einfachen Hauptsätzen (s. o.) ab.

Nebensätze, die von einer Konjunktion (weil, obwohl, damit etc.) eingeleitet werden, führen das Tätigkeitswort hinter dem Subjekt und einem möglichen Objekt:

  • Ich stehe jetzt auf, damit ich den Bus noch erwische.
  • Ich verlasse die Stadt, weil ich die Welt bereisen möchte.

Im Gegensatz dazu steht das Tätigkeitswort in vielen Fragen am Beginn – gegebenenfalls nach dem Fragewort:

  • Wie behandelt ein Arzt Grippe?
  • Kaufst du Brot?

Stellung adverbialer Bestimmungen

Adverbien (Umstandswörter) und adverbiale Bestimmungen aus mehreren Wörtern sind Ausdrücke, die andere Wörter oder Aussagen näher bestimmen.

Sie kommen in vielen Formen vor und sind in den meisten Sätzen enthalten. Dies sind einige Beispiele:

Beispiel

  • Ich besuche dich bald.
  • Aus Trotz sagte ich ihm ab.
  • Morgen fahre ich nach Hause.
  • Mit Vergnügen nehme ich sogleich Ihre Einladung zum Abendessen an.

Adverbien können im Satz weitgehend frei verschoben werden. Verschiedene Stellungen haben auch unterschiedliche Betonungen zur Folge.

Manche Stellungen sind allerdings unzulässig; andere erinnern zu sehr an gesprochene Sprache und sind daher stilistisch unpassend.

Adverbiale Bestimmungen

Es gibt adverbiale Bestimmungen, die erforderlich sind, weil andere Satzteile sie verlangen. Sie werden gebundene Adverbialbestimmungen genannt.

Zum Beispiel erfordert das Tätigkeitswort wohnen meist eine Angabe eines Ortes: Man wohnt nicht einfach irgendwie, sondern man wohnt an einem Ort. Ähnlich wartet man zumeist nicht einfach so vor sich hin, sondern man wartet auf etwas: Ich warte auf Godot.

Viele andere adverbiale Bestimmungen sind nicht notwendig, sondern frei. Freie stehen in der Regel vor gebundenen Adverbialbestimmungen:

Beispiel

  • Ich wohne ab morgen (freie Adverbialbestimmung) in Frankfurt (gebundene Adverbialbestimmung). In der Schriftsprache ist hingegen falsch: Ich wohne in Frankfurt ab morgen.
  • Ich tränke den Putzlappen in meiner Hand (freie Adverbialbestimmung) mit Spiritus (gebundene Adverbialbestimmung). Falsch ist: Ich tränke den Putzlappen mit Spiritus in meiner Hand.
  • Der Mond tritt heute Nacht nie (freie Adverbialbestimmung) hinter den Wolken (gebundene Adverbialbestimmung) hervor. Diese Wortstellung ist in der geschriebenen Sprache nicht zulässig: Der Mond tritt hinter den Wolken heute Nacht nie hervor.

Bei adverbialen Bestimmungen ist außerdem zu berücksichtigen, dass sie Hierarchien bilden können. Eine solche Ergänzung kann eine andere näher bestimmen und sollte dieser dann vorangestellt werden:

Beispiel

  • Ein Werbeträger ist beispielsweise (übergeordnete Adverbialbestimmung) entweder (untergeordnete Adverbialbestimmung) für den gewünschten Zeitraum verfügbar oder nicht verfügbar.
  • Nicht korrekt ist hingegen diese Wortstellung: Ein Werbeträger ist entweder beispielsweise für den gewünschten Zeitraum verfügbar oder nicht verfügbar.

Schließlich sollte beachtet werden, dass es besser ist, Adverbialbestimmungen in komplexeren, längeren Sätzen nicht ans Ende zu stellen, vor allem wenn das Prädikat mehrteilig ist (wird gebracht, ist genannt worden, hat geholfen etc.).

Das ist nur eine ungenaue Faustregel, von der es Abweichungen gibt, aber in der Praxis hilft sie. Das sollen diese Beispiele veranschaulichen:

Beispiel

  • Der höchste Grad der Exaktheit und leichten Anwendbarkeit wird durch zahlenmäßige Bestimmungen erreicht. Unpassend ist: Der höchste Grad der Exaktheit und leichten Anwendbarkeit wird erreicht durch zahlenmäßige Bestimmungen.
  • Ich habe den Bürgermeister bei seinen Planungen der Jubiläumsfeier unterstützt. Nicht gut ist: Ich habe den Bürgermeister unterstützt bei seinen Planungen der Jubiläumsfeier.

Klammerung

Die deutsche Sprache erlaubt es, Teile des Prädikats – also einzelne Formen von Tätigkeitswörtern – ans Satzende zu stellen und dabei weit von ihren unmittelbaren Bezugswörtern zu entfernen.

Gerade in wissenschaftlichen Texten, die schwierige Inhalte und oft ohnehin kompliziert gebaute Sätze enthalten, erschwert eine solche Wortstellung das Verständnis aber erheblich.

Der Leser bekommt dann erst am Ende des Satzes die wesentliche Information, welche Handlung oder Aktivität überhaupt erfolgt. Das wird in folgendem Beispiel deutlich:

Beispiel

  • Der nachfolgende Abschnitt, der die gerade untersuchten Fragen aus psychologischer Sicht betrachtet, soll die Thesen, die Krüger et al. in ihrem Werk aus dem Jahr 2001 aufgestellt haben, widerlegen.

Dass es sich um eine Widerlegung und nicht etwa um eine Prüfung oder Bestätigung handelt, wird erst am Ende des Satzes klar, obwohl das dessen zentrale Aussage ist. Besser ist es, das Tätigkeitswort so weit wie möglich nach vorne zu verschieben: … soll die Thesen widerlegen, die Krüger…

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Luca Corrieri

Luca hat seinen Master an der Universität von Amsterdam abgeschlossen und ist seit 2014 für den deutschen Markt von Scribbr verantwortlich. Mit seinen Kenntnissen im Online-Marketing hat er sich zum Ziel gesetzt, Studierende während der Abschlussphase online zu unterstützen.

1 Kommentar

Michel Pawus
21. November 2018 um 13:26

War super! Danke ♥

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