‚Verbotene‘ Wörter in einer Abschlussarbeit

Es gibt eine Reihe von Wörtern, die in einem akademischen Text (außer in Reflexionen oder Erfahrungsberichten) unbedingt vermieden werden sollten, sowie subjektive Wörter, Übertreibungen, vage Formulierungen und Diminutive.

Allgemeine Wörter

‚Verbotenes‘ WortAlternativenBeispiele
EinfachProblemlos, ohne Schwierigkeiten, unkompliziert
  • Die Lösung des Problems ist einfach.
  • Die Lösung des Problems erweist sich als unkompliziert.
WichtigBedeutsam, erheblich
  • Die Ergebnisse sind für die weitere Forschung wichtig.
  • Die Ergebnisse sind für die weitere Forschung bedeutsam.
Welche/r/s (als Relativpronomen)Der/die/das (als Relativpronomen)
  • Die Studie, welche vorgelegt wurde, …
  • Der Forschungsbericht, in welchem die Ergebnisse veröffentlicht wurden, …
  • Das Muster, welches den Teilnehmern zur Probe ausgehändigt wurde, …
  • Die Studie, die vorgelegt wurde, …
  • Der Forschungsbericht, in dem die Ergebnisse veröffentlicht wurden, …
  • Das Muster, das den Teilnehmern zur Probe ausgehändigt wurde, …

Subjektive Wörter

In vielen Texten verwenden wir ganz automatisch das Wort ‘natürlich’. Dieses Wort ist allerdings zu subjektiv, um in einer wissenschaftlichen Arbeit verwendet zu werden.

Denn wenn wir schreiben, dass etwas ‘natürlich’ ist, gehen wir davon aus, dass etwas logisch nachvollziehbar ist. Allerdings hat der Leser oft nicht dieselben Erfahrungen wie wir gemacht, deshalb kann der Satz für ihn/sie ganz und gar nicht logisch sein.

So kann es für dich ganz ‘natürlich’ sein, dass du an einem heißen Sommertag in den Biergarten gehst. Aber ziemlich sicher werden viele Personen das überhaupt nicht ‘natürlich’ finden, weil sie an heißen Sommertagen lieber ins Schwimmbad oder in die Berge gehen.

Wenn du also einen Satz wie: ‘Da es ein heißer Sommertag war, gingen wir natürlich in den Biergarten’ formulierst, handelt es sich um einen subjektiven Ausdruck und der sollte in wissenschaftlichen Arbeiten unbedingt vermieden werden.

Für subjektive Wörter gibt es kaum passende Alternativen. In Abschlussarbeiten solltest du sie ersatzlos streichen.

‚Verbotenes‘ WortBeispiele
Natürlich, logischerweise, selbstverständlich
  • Daraus ergeben sich natürlich Konsequenzen für das Verhalten von X.
  • Daraus ergeben sich Konsequenzen für das Verhalten von X.
Schön, fantastisch, super, unglaublich, verrückt, hässlich, wunderbar, etc.
  • Diese Theorie fasst die Konsequenzen von X auf Y wunderbar zusammen.
  • Diese Theorie fasst die Konsequenzen von X auf Y zusammen.

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Übertreibungen

Auch für bedeutungsverstärkende Wörter wie ‘sehr’, ‘extrem’, ‘voll’, etc. gibt es keine Alternativen, sie sollten aus wissenschaftlichen Texten gestrichen werden. Zum einen sind solche Steigerungen eine persönliche Stellungnahme, zum anderen sind sie nicht messbar und somit wissenschaftlich nicht nachvollziehbar.

So könnten für dich 100 ausgefüllte Fragebögen ‘sehr viel’ sein, für deinen Professor sind aber vielleicht erst 1.000 ‘sehr viel’. Um neutral zu bleiben, verwendest du am besten messbare Fakten, wie eine genaue Dauer, Menge etc.

‚Verbotenes‘ WortBeispiele
Sehr, extrem, wirklich, voll, super, unglaublich
  • Die Studie lief über einen extrem langen Zeitraum.
  • Die Studie lief über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Hinweis: Subjektive Meinungen und Übertreibungen sind erlaubt, wenn es um jemandes persönliche Meinung geht. Wenn du also schreibst ‘Peter dachte, dass Paris eine sehr schöne Stadt sei’, dann ist es in Ordnung.

Direkte Ansprache des Lesers

Es ist in wissenschaftlichen Texten unüblich, den Leser direkt anzusprechen. Ausnahmen sind das Vorwort oder die Danksagung.

‚Verbotenes‘ WortBeispiele
Ich/Sie/wir/man
  • Im Anhang finden Sie das entsprechende Gesprächsprotokoll.
  • Das entsprechende Gesprächsprotokoll befindet sich im Anhang.

Vage Formulierungen

In wissenschaftlichen Texten musst du so präzise wie möglich formulieren. Alles muss messbar und nachvollziehbar sein.

Wenn du also eine Methode als ‘ein bisschen altmodisch’ beschreibst, wird sich der kritische Leser fragen: Was heißt ein bisschen altmodisch? Ist es altmodisch, weil es bereits etwas Moderneres gibt? Oder ist es altmodisch, weil es de facto alt ist?

Ein weiteres Beispiel aus einer Reflexion: ‘Der Autor hat durch die Durchführung der Studie viel gelernt.’ – Daraus kann sich die Frage ergeben, was denn viel gelernt genau heißt? Das könnte auch ein Aufhänger für deinen Professor bei der Verteidigung deiner Masterarbeit sein, wenn er/sie dich bittet, doch mal zu beschreiben, was du denn genau gelernt hast.

Daher solltest du vage Formulierungen vermeiden.

‚Verbotenes‘ WortBeispiele
Ziemlich, ein bisschen, viel, wenig, etc.
  • Ziemlich viele Studierende haben an der Befragung teilgenommen.
  • 264 Studierende haben an der Befragung teilgenommen.
Dinge, Sachen, etc.
  • Solche Dinge sind nicht ausgeschlossen.
  • Solche Fragen/Probleme/Konsequenzen/… sind nicht ausgeschlossen.

Sonstiges

Das Wort ‘also’ wird oft verwendet, um eigene Schlussfolgerungen aus der Literatur zu ziehen. ‘Also’ ist zwar kein verbotenes Wort, doch kann umgangssprachlich wirken und sollte deswegen nicht zu oft in deiner Abschlussarbeit vorkommen. Alternativen sind ‘demnach’, ‘folglich’, ‘somit’ oder ‘demzufolge’.

Du solltest außerdem keine Diminutive wie -chen oder -lein (zum Beispiel Frageböglein statt Fragebogen) verwenden.

Kennst du noch mehr solcher ‚verbotenen‘ Wörter? Wir freuen uns über deinen Kommentar!

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Daniela Maizner

Daniela hat an der Universität Innsbruck Translationswissenschaft sowie Wirtschaft & Management studiert und ist heute als freiberufliche Übersetzerin und Lektorin tätig. Es macht ihr viel Spaß, Arbeiten verschiedener Art zu lektorieren und Artikel zu schreiben.

4 Kommentare

Tom
7. März 2019 um 16:11

Wie verhält es sich mit Superlativen? Beispielsweise betrachte ich in meiner Bachelorthesis einige unterschiedliche Modelle. Wenn ich nun zu einem Vergleich komme und beschreiben möchte, dass ein Modell z.B. die "übergeordneteste" Sichtweise auf einen Sachverhalt bietet, hört sich das aber eher unschön an...?

Antworten

Mandy Theel
Mandy Theel (Scribbr-Team)
8. März 2019 um 13:52

Hallo Tom,
Danke für deine Rückfrage zum Stil und zu unserem Artikel.
Superlative sind nicht per se stilfremd. Es ist durchaus zulässig, bei einer Messreihe vom „höchsten“ Wert o. Ä. zu sprechen. Deine Frage bezieht sich vermutlich eher auf die Unterschiede bei der Superlativbildung selbst bzw. auf damit verbundene Sinndopplungen und die entsprechenden Konsequenzen für einen gut verständlichen, klaren Stil.
Das von dir genannte Beispiel „übergeordnetste“ ist in diesem Sinne stilistisch nicht sinnvoll, da es in sich eine Sinndopplung darstellt. „Übergeordnet“ ist nicht steigerbar, da es bereits einen absoluten Zusammenhang ausdrückt: Eine Sache/Person ist einer anderen Sache/Person übergeordnet. Dabei wird nicht ausgedrückt, in welchem Ausmaß dieses Übergeordnetsein realisiert ist. Die erste Sache kann der zweiten nicht noch übergeordneter sein, als sie es ohnehin ist. Ein anderes Beispiel ist die Nichtsteigerbarkeit von „tot“, denn nichts/niemand kann „toter“ als etwas/jemand anderes/r sein.
Ich empfehle, solche langen Superlative generell zu vermeiden; besser ist es, zusammengesetzte Steigerungsform aufzuteilen. Das zulässige „am höchsten stehend“ wäre bspw. eine p einen solchen Bezug der Modelle auszudrücken. Sie ist inhaltlich offener, also weder binär noch absolut. Dafür wäre der betreffende Satz aber anders zu formulieren.
Als kleinen Einstieg in diese Thematik empfehle ich zudem folgenden Podcast: https://www.duden.de/sprachwissen/podcast/bestgehuetete-geheimnisse.
Bei Unklarheiten oder weiteren Fragen sind wir gerne verfügbar.
Freundliche Grüße
Mandy

Antworten

Jasmin
11. Februar 2019 um 21:45

Wie ist das denn mit dem Wort "also". Ich neige in meiner Arbeit oftmals dazu, einen Fakt aus der Literatur zu schreiben und anschließend mit dem Wort "also" einen Schlussfolgerung für meine Masterarbeit abzuleiten.

Antworten

Franziska Pfeiffer
Franziska Pfeiffer (Scribbr-Team)
12. Februar 2019 um 14:16

Hallo Jasmin,

das ist eine gute Frage!
Das Wort „also“ ist an sich kein verbotenes Wort und kann durchaus in der Masterarbeit verwendet werden.
Jedoch kann es sich manchmal ein wenig umgangssprachlich anhören und du solltest es nicht zu oft verwenden.
Alternativen wären bspw. „demzufolge“, „demnach“, „folglich“ oder „somit“
Wir arbeiten gerade daran, diese Informationen auch mit in den Artikel zu nehmen. Vielen Dank für den Hinweis :)

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