Allgemeine sprachliche Regeln zu den Zeitformen

Wer auf Deutsch schreibt, muss sich im Vergleich zu anderen europäischen Sprachen um die Zeiten und allgemein um die Formen der Tätigkeitswörter verhältnismäßig wenig Gedanken machen.

Oft verwenden Menschen, deren Muttersprache Deutsch ist, ohnehin intuitiv die richtigen Zeiten. Beim Schreiben wissenschaftlicher Texte gelten aber strengere Regeln als in der gesprochenen Sprache. So wird gewährleistet, dass Texte hinreichend klar sind.

In diesem Artikel zeigen wir, welche Regeln die relevantesten sind. Wenn du sie beachtest, werden dir bei den Zeitformen kaum Fehler unterlaufen.

Die Vorzeitigkeit

Wenn ein Ereignis unmittelbar vor einem anderen stattgefunden hat, sollte in der Regel eine perfektive Zeitform verwendet werden:

  • Er hat gegessen, nun geht er schlafen.
  • Die Burg war gefallen, die Schlacht endete bald darauf.

Die Konjunktion nachdem drückt stets Vorzeitigkeit aus. Das sollten auch die Zeiten widerspiegeln:

Nachdem Barack Obama Präsident geworden war (nicht: wurde), lächelte er Michelle an.

Darstellung von Allgemeingültigem

Was gültig war, ist und auf absehbare Zeit bleibt, wird im Deutschen in der Gegenwartsform (Präsens) dargestellt.

Das trifft auch auf Studien und Forschungsergebnisse zu, die bislang noch nicht widerlegt worden und nicht überholt sind. Es wäre zum Beispiel unsinnig, einen Satz wie den folgenden in der Vergangenheitsform zu schreiben, weil dies suggerierte, die Aussage habe nur in der Vergangenheit zugetroffen. Daher lautet die korrekte Variante:

Beispiel

Kopernikus zufolge dreht sich die Erde um die Sonne.

Auch weniger spektakuläre Erkenntnisse werden in der Gegenwartsform wiedergegeben, sofern sie den aktuellen Forschungsstand darstellen.

Übrigens wird in der Regel auch darauf verzichtet, solche unstrittigen Ergebnisse in der umständlichen indirekten Rede (es gebe, er sei, …) vorzustellen, da sie ähnlich wie Fakten behandelt werden.

Wenn allerdings die konkrete Forschertätigkeit beschrieben wird, muss auf eine Vergangenheitsform ausgewichen werden:

Beispiel

Aristoteles legte den Grundstein, Einstein entdeckte, Marx schrieb.

Ein geschickter Autor vermeidet dabei verwirrende Sprünge zwischen Zeitformen in einem Textabschnitt, indem er geeignete Tätigkeitswörter wählt:

Beispiel

Aristoteles untersucht (aus Sicht desjenigen, der heute Aristoteles’ Werke liest, findet die Untersuchung tatsächlich aktuell vor seinen Augen statt, auch wenn Aristoteles seit fast 2500 Jahren tot ist), Einstein beweist, Marx analysiert.

Erhalte Feedback zu deiner Abschlussarbeit

Unsere Scribbr-Korrektoren korrigieren für dich:

  • Sprach- und Grammatikfehler
  • Akademischen Ausdruck
  • Interpunktion
  • Roter-Faden
  • Quellenangaben

Beispiel anschauen

Die Vergangenheit mit Bezug zur Gegenwart

Wenn ein Ereignis oder eine Handlung in der Vergangenheit erfolgte, sich aber deutlich auf die Gegenwart auswirkt, kann im Deutschen nicht das Präteritum (Imperfekt, Mitvergangenheit) verwendet werden. Stattdessen kommt das Perfekt zum Einsatz:

Beispiel

Ich habe gerade zu Mittag gegessen (nicht: ich gerade …), nun bin ich satt.

Analog werden auch Forschungsarbeiten im Perfekt dargestellt, wenn ihre Ergebnisse sich insofern auf die Gegenwart auswirken, als sie weiterhin gültig sind:

Beispiel

Prof. Schlau-Meier hat die These bestätigt, dass sich die Erde um die Sonne dreht.

Einheitlichkeit der Zeiten

Schließlich solltest du darauf achten, die Zeiten einheitlich zu verwenden. Wie eingangs erwähnt können die Zeiten im Deutschen oft frei gewählt werden.

So ist es möglich, eine historische Entwicklung im Präteritum oder in der Gegenwartsform (historisches Präsens) wiederzugeben. Bitte vermeide aber Sprünge zwischen den Zeiten:

Beispiel

Napoleon führt seine Truppen bis nach Russland. Später ging er in die Verbannung.

Es kann dir helfen, dir für einzelne Kapitel eine Zeiten-Checkliste aufzuschreiben, in der du festlegst, wofür du welche Zeitform einsetzen möchtest. So brauchst du beim Schreiben nicht immer wieder von Neuem darüber nachzudenken.

Das könnte für ein Kapitel mit theoretischen Grundlagen etwa so aussehen:

  • Historische Hintergründe: Präteritum
  • Entwicklung der Forschung zum Thema: Präteritum
  • Gültige Forschungsergebnisse: Gegenwartsform
  • Eigene Schlüsse, Darstellung von Zusammenhängen: Gegenwartsform

Wenn du dir unsicher bist, welche Zeitform du in einem Satz verwenden solltest, kannst du nun einfach überlegen, in welche Kategorie er fällt.

War dieser Artikel hilfreich?
Luca Corrieri

Luca hat seinen Master an der Universität von Amsterdam abgeschlossen und ist seit 2014 für den deutschen Markt von Scribbr verantwortlich. Mit seinen Kenntnissen im Online-Marketing hat er sich zum Ziel gesetzt, Studierenden während der Abschlussphase online zu unterstützen.

1 Kommentar

Luca Corrieri
Luca Corrieri (Scribbr-Team)
26. Januar 2018 um 15:24

Danke fürs Lesen! Ich hoffe dieser Artikel hat dir weitergeholfen. Hast du noch eine Frage? Hinterlasse einen Kommentar und ich werde mich so schnell wie möglich bei dir zurückmelden.

Hinterlasse einen Kommentar oder eine Frage