Zeitformen in wissenschaftlichen Arbeiten

Veröffentlicht am von Datum aktualisiert: 10. Oktober 2016

Der Großteil einer wissenschaftlichen Arbeit wird im Präsens verfasst, bei manchen Ausführungen greift man jedoch auf das Perfekt oder das Präteritum zurück. In den verschiedenen Teilen einer Abschlussarbeit Abstract, Einleitung, Theorie, Literaturübersicht, Methode, Ergebnisse und Fazit bzw. Ausblick werden teilweise unterschiedliche Zeitformen verwendet.

Abstract oder Zusammenfassung

Präsens: Für allgemeine Fakten und um das Thema der Arbeit zu umreißen, z.B.:
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe.
Perfekt: Für vergangene Ereignisse, z.B.:
Die Krise hat vor knapp drei Jahren begonnen.

Einleitung

Präsens: Bei der Beschreibung des Ausgangspunkts der Arbeit, des Forschungsstanden im Gebiet der Arbeit und des Ziels, z.B.:
Das Ziel der Arbeit ist eine Analyse der Kinderbücher von Erich Kästner.
Perfekt: Um den historischen Hintergrund darzustellen, z.B.:
Die Literatur hat ab der Mitte der 20er Jahre eine Blütezeit erlebt.

Theoretischer Teil

Präsens: Bei dem Verweis auf publiziertes Wissen und bei Definitionen, z.B.:
Die Herzfrequenz (HF) ist die Anzahl der Herzschläge pro Minute.
Unter der Semantik wird die Theorie von der sprachlichen Bedeutung der Morpheme, Lexeme, Wörter, Sätze und Texte verstanden.
Perfekt oder Präteritum: Bei expliziten Verweisen auf Erfindungen/Schöpfungen anderer, z.B.:
…, was als erstes von Mayer (1980) herausgestellt wurde.

Literaturübersicht

Präsens: Um gegenwärtiges Wissen oder Informationen mit allgemeiner Gültigkeit wiederzugeben, z.B.:
Forscher können den Klimawandel nicht bestätigen.
Präteritum: Um zu beschreiben, was eine bestimmte Person tat oder herausfand, z.B.:
Mayer (2005, S.56) fand heraus, dass…

Material- oder Methodenteil

Präsens: Bei der Beschreibung des Untersuchungsgebietes (da es ja immer noch besteht) und beim Verweis auf bekannte Methoden und Verfahrensweisen (= publiziertes Wissen), z.B.:
Das Versorgungsgebiet des Wasserwerks erstreckt sich über ca. 20 km².
Perfekt oder Präteritum: Bei der Beschreibung der tatsächlich durchgeführten Arbeitsschritte, z.B.:
An der Untersuchung nahmen insgesamt 50 Personen teil.
An der Untersuchung haben insgesamt 50 Personen teilgenommen.

Ergebnisteil

Perfekt oder Präteritum: Bei der Darlegung der Forschungsergebnisse, z.B.:
Die Hypothesen konnten nicht bestätigt werden.
Die Befragung hat ergeben, dass sich Studierende mehr finanzielle Unterstützung von ihren Eltern wünschen würden.

Fazit oder Diskussion

Präsens: Für die Interpretation der gewonnenen Erkenntnisse, z.B.:
Die Untersuchung zeigt, dass Frauen mehr lesen als Männer.
Präteritum oder Perfekt: nur, wenn man sich auf die Ergebnisse bezieht (vgl. Ergebnisteil)

Sonderfall: Historisches Präsens

Sonderfall: Beim Erzählen einer vergangenen Geschichte, kann auf das historische Präsens zurückgegriffen werden. Dadurch wird eine Unmittelbarkeit erzeugt, die es dem Leser ermöglicht, sich besser in die Geschichte hineinzuversetzen, z.B.:
Napoleon stirbt am 5. Mai 1821 auf der Insel St. Helena.
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Geschrieben von Desiree Korath

Desiree studiert im Masterstudium Germanistik in Innsbruck. Sie begeistert sich für Sprachen und Literatur. Das Überarbeiten von Texten bereitet ihr noch mehr Freude als das Schreiben selbst.

2 Kommentare

  1. Michael Dost:

    Hallo, Desiree,
    ist Dir bei „Einleitung“ bezüglich des Präteritums und bei „literaturübersicht“ bezüglich des Perfekts eventuell eine kleine Verwechslung unterlaufen?

    Das Beispiel „….hat….erlebt“ ist jedenfalls ebensowenig Präteritum wie „…fand heraus…“ eine Perfekt-Form ist.
    Weiterhin viel Erfolg
    Michael
    Ich finde aus eigener bitterer Erfahrung die Frage der Zeitform in wissenschaftölichen Arbeiten besonders wichtig, da ein von mir (Naturwissenscgaftler) betrieblich betreuter Praktikant (Techniker, Fachhochschulreife) zu meinem Entsetzen von seiner Lehranstalt auf Einwirken einer „schrecklichen Deutschlehrerin“ mit der Note „Drei“ bewertet wurde, u.a., da er in Arbeit und mündlicher Präsentation „öfter vom Präsens ins Präteritum“ gerutscht sei- z.B. bei der Beschreibung eigener Experimente. Wirkte sich dann direkt in der Abschlussgesamtnote aus – m.E. ein Unding mit einschneidender Wirkung auf den Betroffenen. Ich hoffe, ihm hilft mein Zeugnis bei bewerbungen weiter, in dem ich meinUnverständnis zu dieser Bewertung Ausdruck verliehen habe.

    „Der Messaufbau bestand aus einem Messtisch, einer kamera und einem AZswerterechner. Die Messungen ergaben…“ ist m.E. korrekt und dem Sachverhalt angemessen, wird aber in fundamentalsitischen Kreisen ungerechtfertigterweise sanktioniert. Da wären klare und inhaltlich korrekte Anleitungen zum Thema „ex kathedra“, wie beispielsweise von Ihrer Seite, erforderlich und nützlich.

    • Lou Benders (Scribbr-team):

      Hallo Michael,

      Ja, hier ist mir leider wirklich eine Verwechslung unterlaufen. Die Beispielsätze stimmen, aber die Zeitform ist nicht korrekt. „Hat… erlebt“ ist natürlich Perfekt und „fand… heraus“ Präteritum. Vielen Dank für den Hinweis, wir werden es gleich anpassen!

      Mit freundlichen Grüßen

      Desiree

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