Die 7 Formen der Beobachtung für die Bachelorarbeit mit Beispielen

Die Beobachtung ist eine nützliche wissenschaftliche Methode für die Bachelorarbeit, mit der Verhalten, Objekte, Phänomene oder Vorgänge untersucht werden. Besonders häufig wird sie in sozialwissenschaftlichen Studiengängen eingesetzt.

Doch Beobachtung ist nicht gleich Beobachtung. Es gibt verschiedene Beobachtungsformen, auch Beobachtungsmethoden oder Beobachtungsverfahren genannt.

Zu diesen Beobachtungsformen zählen z. B. die teilnehmende Beobachtung oder die systematische Beobachtung, die sich in der Beobachterposition, der Beobachtungssituation und dem Datenerhebungsverfahren unterscheiden.

Beobachtung Definition

Neben der alltagssprachlichen Verwendung bezeichnet der Begriff Beobachtung auch eine wissenschaftliche Forschungsmethode.

Durch eine Beobachtung werden auf visuelle oder auf auditive Weise verschiedene Geschehnisse genauer in den Blick genommen. Untersucht werden kann jegliche Art von sozialen oder interaktiven Prozessen, z. B. das Verhalten einer Person oder Personengruppe in einer bestimmten Situation.

Qualitative vs. quantitative Beobachtung

Es gibt zwei grundlegend verschiedene Wege, eine Beobachtung durchzuführen. Es kann sowohl eine qualitative Beobachtung als auch eine quantitative Beobachtung durchgeführt werden.

Im Fall einer qualitativen Beobachtung steht ein interpretativer Zugang zum beobachteten Geschehen im Vordergrund, mit dem neue Hypothesen aufgestellt werden können.

Beispiel
Es wird gezielt das Kaufverhalten einer Probandengruppe am Monatsanfang und am Monatsende beobachtet. Das Ziel ist es, aus der Beobachtung des Verhaltens der Menschen neue Hypothesen aufstellen zu können.

Eine denkbare Hypothese, die die Beobachtung ergeben könnte, wäre: Die Menschen geben ihr Geld am Monatsanfang leichtfertiger aus als am Monatsende.

Bei der quantitativen Beobachtung ist das Ziel der Beobachtung, aussagekräftige Daten zu erhalten, mit denen eine Hypothese überprüft werden kann.

Beispiel
Es soll die Hypothese überprüft werden, ob jugendsprachliche Ausdrücke tatsächlich häufiger von einer jugendlichen Zielgruppe als von anderen Sprecher- bzw. Sprecherinnengruppen verwendet werden.

Dazu werden Gespräche zwischen Menschen aus verschiedenen Altersgruppen beobachtet und ausgewertet.

Neben der Unterscheidung in qualitative und quantitative Beobachtung gibt es auch verschiedene Formen einer Beobachtung. Wir zeigen dir anhand von Beispielen die Vor- und Nachteile jeder Beobachtungsform und für welche Art von Forschung sie sich eignet.

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Formen der Beobachtung

Welche Form der Beobachtung sich am besten für deine Bachelorarbeit eignet, entscheidest du anhand deiner Forschungsfrage. Wie lässt sich diese am besten beantworten?

Für jeden der folgenden Punkte musst du entscheiden, welche Form der Beobachtung du durchführen möchtest.

Beobachterposition:

Beobachtungssituation:

Datenerhebungsverfahren:

Beobachterposition

Bei diesen Formen der Beobachtung geht es um den Beobachter selbst und darum, wie er oder sie mit dem Untersuchungsgegenstand interagiert.

Selbst- und Fremdbeobachtung

Bei der Fremdbeobachtung wird das Verhalten anderer Personen erfasst, während bei der Selbstbeobachtung das eigene Verhalten analysiert wird.

Beispiel
Bei einer Selbstbeobachtung wird das eigene Kaufverhalten im Supermarkt evaluiert, während sich bei einer Fremdbeobachtung das Verhalten anderer Käufer angeschaut wird.
Vor- und Nachteile:
SelbstbeobachtungFremdbeobachtung
Beobachtung von psychischen Phänomenen möglichObjektive(re) Einstellung des Beobachters
Problem der SubjektivitätErkenntnisse sind aufgrund der Distanz des Beobachters begrenzt
Validität und Reliabilität können nicht garantiert werdenValidität und Reliabilität können gemessen werden

Teilnehmende und nicht teilnehmende Beobachtung

Bei einer teilnehmenden Beobachtung übernimmt der Beobachter eine aktive Rolle im Geschehen, während der nicht teilnehmende Beobachter passiv bleibt.

Beispiel
Der Beobachter nimmt bei einer teilnehmenden Beobachtung selbst an einer Gruppendiskussion teil, während der nicht teilnehmende Beobachter diese von außen betrachtet.
Vor- und Nachteile:
Teilnehmende BeobachtungNicht teilnehmende Beobachtung
Der Beobachter ist aktiver Teil des Geschehens und natürliches Verhalten wird erfasstDer Beobachter kann alles von außen protokollieren
Möglicher Einfluss auf die Situation & Verfälschung der ErgebnisseTeilnehmer fühlen sich „beobachtet” und handeln möglicherweise anders als sonst
Komplexe Geschehnisse können übersehen werdenDer Zugang zu bestimmten Bereichen ist begrenzt

Beobachtungssituation

Die Beobachtungssituation bestimmt wo und unter welchen Vorraussetzungen die Beobachtung stattfindet.

Offene und verdeckte Beobachtung

Bei der offenen Beobachtung weiß der Versuchsteilnehmer, dass er beobachtet wird. Bei der verdeckten Beobachtung, ist er sich dessen nicht bewusst.

Beispiel
Teilnehmer werden in einem Forschungslabor mit einseitig durchsichtigem Spiegel beobachtet. Du kannst ihnen entweder mitteilen, dass ihr Verhalten beobachtet wird oder nicht.
Vor- und Nachteile:
Offene BeobachtungVerdeckte Beobachtung
Der Beobachter ist näher am GeschehenNatürliches Verhalten kann erfasst werden
Sozial erwünschtes Verhalten der TeilnehmerForschungsethik: Es dürfen keine verdeckten Beobachtungen privaten Verhaltens durchgeführt werden

Feld- und Laborbeobachtung

Bei einer Laborbeobachtung wird eine künstliche Beobachtungssituation erzeugt, während die Feldbeobachtung unter natürlichen Bedingungen stattfindet.

Beispiel
Welche Medien nutzen Jugendliche in ihrem Tagesablauf? Du führst eine Feldbeobachtung an ihren Heimcomputern durch.
Wie orientieren sich Menschen auf Websites bei der Informationssuche? Du führst eine Laborbeobachtung durch.
Vor- und Nachteile:
FeldbeobachtungLaborbeobachtung
Natürliches Verhalten wird untersuchtKontrolle der Einflussvariablen möglich
Grenzen der praktischen BeobachtbarkeitErgebnisse lassen sich besser erfassen
UnvorhersehbarKünstlich hergestellte Umgebung

Datenerhebungsverfahren

Je nachdem, wie du die Daten deiner Beobachtung später auswerten möchtest, musst du dich für eine dieser Beobachtungsverfahren entscheiden.

Systematische und unsystematische Beobachtung

Bei einer systematischen (oder auch strukturierten”) Beobachtung erhält der Beobachter genaue Vorgaben dazu, was und wie er beobachten und protokollieren soll. Diese Art der Beobachtung ist geplant, zielgerichtet und überprüfbar.

Bei der unsystematischen bzw. unstrukturierten Beobachtung erhält der Beobachter, wenn überhaupt, grobe Richtlinien und Kategorien, an denen er sich orientieren kann.

Beispiel
Bei einer Gruppendiskussion wird jede Äußerung eines Teilnehmers analysiert und systematisch in vorgegebene Kategorien eingeordnet. Bei einer unsystematischen Beobachtung werden nur grobe Kategorien anhand der notierten Antworten erstellt.
Vor- und Nachteile:
Systematische BeobachtungUnsystematische Beobachtung
Leichtere Auswertung der DatenMehr Freiraum und Flexibilität für den Beobachter
Einheitliche Erfassung auch bei mehreren BeobachternAuch unvorhergesehene Ereignisse können erfasst werden
Wenig Möglichkeiten für unvorhergesehene EreignisseSchwieriger die Ergebnisse auszuwerten

Direkte und indirekte Beobachtung

Bei einer direkten Beobachtung wird das Verhalten selbst zu einem bestimmten Zeitpunkt angeschaut, während eine indirekte Beobachtung sich mit den Auswirkungen dieses Verhaltens beschäftigt.

Beispiel
Das Verhalten von Menschen auf Festivals kann direkt beobachtet werden oder die Auswirkungen dieses Verhaltens können indirekt beobachtet werden (z. B. hinterlassener Müll auf dem Gelände).
Vor- und Nachteile:
Direkte BeobachtungIndirekte Beobachtung
Einfachere Auswertung der DatenInteressante Erkenntnisse möglich
Begrenzter ErkenntnisgewinnVerbindung zwischen Ursache und Wirkung ist manchmal schwer festzustellen

Vermittelte und unvermittelte Beobachtung

Bei vermittelten Beobachtungen werden technische Hilfsmittel wie Videoaufzeichnungen verwendet. Bei unvermittelter Beobachtung kommen keine technischen Hilfsmittel zum Einsatz.

Beispiel
Entweder wird eine Gruppendiskussion aufgezeichnet und das Verhalten der Teilnehmer und Teilnehmerinnen anhand des Videos analysiert, oder aber der Beobachter zeichnet die Diskussion nicht auf sondern beobachtet sie aus direkter Nähe.
Vor- und Nachteile:
Vermittelte BeobachtungUnvermittelte Beobachtung
Weniger Einfluss auf die Situation durch den BeobachterBeobachter nimmt die Situation aus allen Perspektiven wahr und erhält einen besseren Eindruck der Stimmung unter den Teilnehmern
Zeitaufwendig die technischen Mittel einzurichten und das Material erst zu sichtenMöglicher Einfluss des Beobachters auf die Teilnehmer

Du musst anhand deiner Forschungsfrage entscheiden, welche Beobachtungsmethode sich am besten für deine Bachelorarbeit eignet. Dabei solltest du die Vor- und Nachteile im Kopf behalten und dich am besten auch mit deinem Betreuer absprechen.

Die Form der Beobachtung beeinflusst auch die Auswertung deiner Forschung. Je nachdem für welche Form der Beobachtung du dich entscheidest, kannst du deine Forschung anhand der Grounded Theory Methode auswerten.

So führst du selbst eine Beobachtung durch »

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine wissenschaftliche Beobachtung?

Bei einer Beobachtung handelt es sich um eine empirische Forschungsmethode, mit der du menschliches Handeln analysieren kannst.

Das Ziel einer Beobachtung ist es, Zusammenhänge zu verstehen und einen Untersuchungsgegenstand zu erfassen.

Es gibt 7 Formen der Beobachtung:

  1. Selbst- und Fremdbeobachtung
  2. teilnehmende und nicht teilnehmende Beobachtung
  3. offene und verdeckte Beobachtung
  4. Feld- und Laborbeobachtung
  5. systematische und unsystematische Beobachtung
  6. direkte und indirekte Beobachtung
  7. vermittelte und unvermittelte Beobachtung

Die verschiedenen Beobachtungsmethoden werden besonders häufig bei sozialwissenschaftlichen Studiengängen eingesetzt.

Was ist eine qualitative Beobachtung und was eine quantitative Beobachtung?

Es gibt zwei grundlegend verschiedene Wege, eine Beobachtung durchzuführen. Es kann sowohl eine qualitative Beobachtung als auch eine quantitative Beobachtung durchgeführt werden.

Im Fall einer qualitativen Beobachtung steht ein interpretativer Zugang zum beobachteten Geschehen im Vordergrund, mit dem denen neue Hypothesen aufgestellt werden können.

Bei der quantitativen Beobachtung ist das Ziel, aussagekräftige Daten zu erhalten, mit denen eine Hypothese überprüft werden kann.

Ein Beispiel für beide Beobachtungsformen findest du im Artikel zur Beobachtung.

Was ist eine Selbstbeobachtung?

Bei einer Selbstbeobachtung analysiert der oder die Forschende das eigene Verhalten.

Beispiel: Das eigene Kaufverhalten im Supermarkt wird analysiert.

Allerdings können hier Probleme bei der Subjektivität sowie Validität und Reliabilität entstehen.

Was ist eine Fremdbeobachtung?

Bei einer Fremdbeobachtung wird das Verhalten anderer erfasst. Das ist die häufigste Art der Beobachtung. Sie steht im Gegensatz zur Selbstbeobachtung.

Der oder die Beobachtende hat einen objektiven Blick auf die Situation und Validität und Reliabilität der Untersuchung können gemessen werden.

Was ist eine systematische Beobachtung?

Bei einer systematischen Beobachtung erhält der oder die Beobachtende genaue Vorgaben dazu, was beobachtet und protokolliert werden soll.

So lassen sich die Daten leichter Auswerten und einheitlicher erfassen.

Es wird garantiert, dass die Beobachtung geplant, zielgerichtet und überprüfbar ist.

Was ist eine unsystematische Beobachtung?

Als unsystematische Beobachtung beschreibt man eine Beobachtung bei der es nur grobe Richwerte gibt. Sie wird auch als unstrukturierte Beobachtung bezeichnet und lässt den Beobachtenden viel Freiraum bei der Erfassung und Auswertung der Daten.

Die unsystematische Beobachtung lässt auch die Erfassung von unvorhergesehenen Ereignissen zu.

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Franziska Pfeiffer

Franzi hat ihren Bachelor in Publizistik und Kommunikation in Berlin abgeschlossen und steht nun kurz vor den Masterabschluss. Sie kennt sich besonders gut mit den verschiedenen Forschungsmethoden aus und schreibt leidenschaftlich gerne Artikel, die anderen Studierenden zum Abschluss verhelfen.

4 Kommentare

Meryem
21. März 2020 um 17:52

Liebe Franziska wissen sie vielleicht was eine strukurierte Beobachtung ist und die vor und Nachteile ?

Antworten

Annika Heinemeyer
Annika Heinemeyer (Scribbr-Team)
23. März 2020 um 12:12

Hallo Meryem,
vielen Dank für deine Frage! Bei der strukturierten (oder auch systematischen) Beobachtung erhält der Beobachtende genaue Vorgaben dazu, was beobachtet und genaue Kriterien dazu, wie beobachtet werden soll. Es ist also eine genau geplante Art der Beobachtung mit einem festen Schema.

Die Vorteile der strukturierten Beobachtung liegen in einer einheitlichen Erfassung und einer leichten Auswertung der Daten. Die Nachteile sind, dass das feste Schema wenig Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten erlaubt. Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte.

Antworten

Barbara
28. Februar 2020 um 11:50

Liebe Franziska,

ich bin gerade dabei meine Bachelorarbeit zu schreiben und bin unsicher, in Bezug der Art der Beobachtung, die ich gemacht habe. Für meine Arbeit habe ich mit ehemaligen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen eine traumpädagogische Intervention gemacht. Sprich ich habe 8 jungen Erwachsenen 4 unterschiedliche Methoden gezeigt und mit ihnen geübt, damit sie sich besser in ihrem Alltag helfen können. Eine Kollegin hat mich dabei unterstützt und hat beobachtet und ich habe die Übungen angeleitet. Ist das jetzt eine teilnehmende Beobachtung und schreibt man das Protokoll auch in die Arbeit oder nur unsere Refexion dazu.
Und weißt du vielleicht noch, wie so eine Art Workshop wissenschaftlich zu bezeichnen wäre? Ich glaube es ist kein Quasiexperiment oder Einzelfallstudie, aber ich weiß auch nicht was es sein könnte...
Vielen, vielen Dank und herzliche Grüße
Barbara

Antworten

Mandy Theel
Mandy Theel (Scribbr-Team)
28. Februar 2020 um 13:26

Hallo Barbara,

danke für deine Frage, ich versuche gerne dir bestmöglich weiterzuhelfen.

Da du den Teilnehmenden während der Beobachtung eine direkte Anleitung gegeben hast, gilt die Beobachtung als teilnehmende Beobachtung.

Bei einer teilnehmenden Beobachtung ist ein Beobachtungsprotokoll zur Auswertung gut geeignet. In jedem Fall solltest du die Beobachtungssituation aufzeigen, bevor du Schlussfolgerungen daraus ziehst. Wie umfangreich ein Beobachtungsprotokoll sein soll, kommt natürlich auch auf die Länge deiner Bachelorarbeit und die Absprache mit deiner Betreuungsperson an.

Ich denke die Kategorisierung deiner Beobachtung in eine teilnehmende Beobachtung ist vollkommen ausreichend, wenn ihr beobachtet habt, wie die Teilnehmenden auf die von dir angeleiteten Übungen reagieren. Zusätzlich handelt es sich wahrscheinlich um eine offene Beobachtung, wenn die Teilnehmenden wussten, dass sie beobachtet werden.

Um ein Experiment handelt es sich laut deinen Beschreibungen nicht. Bei einem Experiment wird in der Regel eine unabhängige Variable bewusst manipuliert, um zu überprüfen, wie die abhängige Variable reagiert. Weitere Infos findest du hier.

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