Auswertung eines Experteninterviews

Um einen Nutzen aus den Interviews für deine Abschlussarbeit zu ziehen, musst du die Antworten der Befragten auswerten. Dafür musst du deine gesammelten Daten kodieren.

Doch keine Panik, Kodieren ist nicht so schwierig, wie es sich anhört. Im Grunde ordnest du die Antworten deiner Interviewpartner oder Interviewpartnerinnen bestimmten Kategorien zu.

Beispiel

Befragter 1
Ich trage immer Ohrstöpsel, wenn ich auf ein Konzert oder Festival gehe. Das schützt zumindest meine Ohren, und wenn man die richtigen Ohrstöpsel benutzt, klingt die Musik immer noch super.

Kodierung
Gehörschutz Sounderlebnis

Im Beispiel wurde ein qualitatives Interview mit offenen Fragen kodiert. Die Antworten werden daraufhin bestimmten Kategorien zugeordnet. Auf diese Weise kannst du Verbindungen zwischen den einzelnen Antworten herstellen.

4 Schritte zur Auswertung deines Interviews

Es gibt sowohl qualitative als auch quantitative Interviewformen.

Qualitative Interviews sind deutlich häufiger vertreten. Sie werden mit offenen Fragen geführt und Befragte haben mehr Freiraum bei ihren Antworten. Sie sind oft Teil einer induktiven Forschung. Das bedeutet, dass du von den Daten, die du erhoben hast, deine Ergebnisse ableitest.

In quantitativen Interviews hingegen gibst du Antwortmöglichkeiten vor oder stellst Ja-/Nein-Fragen, die du statistisch auswertest.

Wir zeigen dir, wie dir die Auswertung eines qualitativen Interviews in 4 Schritten gelingt. Als Beispiel dient das qualitative Experteninterview.

Die 4 Schritte zur Auswertung sind übertragbar auf alle weiteren qualitativen Interviewformen:

Schritt 1 – Experteninterview durchführen

Der erste Schritt ist die Durchführung des Experteninterviews. Dafür solltest du einen Leitfaden erstellen und Termine mit deinen Experten oder deinen Expertinnen vereinbaren. Das Interview solltest du nach Erlaubnis der fachkundigen Person mitschneiden und als Audiodatei auf deinem PC speichern.

Wichtig ist, dass die Teilnehmenden eine Einwilligungserklärung unterschreiben. Hier willigen sie ein, dass du die aus den Interviews gewonnenen Ergebnisse in deiner Abschlussarbeit verwendest.

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Schritt 2 – Interview transkribieren

Um dein Interview auswerten zu können, ist es wichtig, dass du die aufgenommenen Gespräche transkribierst. Das bedeutet, dass du das Gesprochene abtippst.

Mit der Verschriftlichung deiner Interviews schaffst du die Grundlage für die Kodierung. So kannst du den Text analysieren und einzelne Textpassagen Kategorien zuordnen.

Die Erstellung von Kodes und Kategorien findet auch in der qualitativen Inhaltsanalyse statt. Die qualitative Inhaltsanalyse ist eine gängige Auswertungsmethode für qualitative Interviews.

Mehr zur qualitativen Inhaltsanalyse

Schritt 3 – Interview kodieren

Im dritten Schritt folgt die eigentliche Kodierung des Textes, wie wir es oben im Beispiel gesehen haben.

Hier durchläufst du zwei Phasen:

Das mag sich erstmal kompliziert anhören, aber lässt sich mit Beispielen ganz leicht erklären.

Phase 1: Kodierung

Du beginnst mit dem Kodieren. Dafür liest du das gesamte transkribierte Interview und ordnest den Textfragmenten bestimmte Kodes zu.

Diese Kodes zeigen für jeden Textabschnitt, was das Hauptthema ist. Mache das mit allen Interviews, die du geführt hast.

Ein hilfreiches Programm das du für diese Kodierung nutzen kannst, ist MAXQDA.

Beispiel für eine Kodierung
Textabschnitt Kodierung
„Ich würde gerne Ohrstöpsel benutzen, aber es sieht so seltsam aus.“ Absicht, Aussehen
„Ich trage immer Ohrstöpsel, wenn ich auf ein Konzert oder Festival gehe. Das schützt zumindest meine Ohren.“ Schutz der Ohren
„Wenn man die richtigen Ohrstöpsel benutzt, klingt die Musik immer noch super.“ Qualität der Musik

Über die Kategorien, die sich beim Kodieren herauskristallisieren, bestimmst du weitgehend selbst. Es kann sein, dass du bei deinem Literatur-Review bereits auf ähnliche Interviewthemen gestoßen bist und erste Kodes übernehmen kannst. Du darfst diese aber auch einfach selbst erstellen.

Phase 2: Kategorienbildung

Nachdem deine Kodes zu den Textabschnitten hinzugefügt wurden, vergleichst du die Kodes miteinander und verbindest zusammenpassende Kodes zu einer übergeordneten Kategorie.

Nicht jeder Kode fällt unter eine einzelne Kategorie. Ein Kode kann auch zu verschiedenen Kategorien gehören. Am Ende wird sich eine Anzahl bestimmter Hauptkategorien herausbilden, die du in deiner Bachelorarbeit verwenden kannst.

Denke daran, dass du nicht alle Kodes, die du findest, in deiner Forschung verwenden musst: Nicht alles aus deinem Interview ist gleich interessant oder für deine Forschung relevant.

Beispiel für axiales Kodieren
Textabschnitt Kodierung Kategorie
„Ich würde gerne Ohrstöpsel benutzen, aber es sieht so seltsam aus.“ Absicht, Aussehen Aussehen
„Ich trage immer Ohrstöpsel, wenn ich auf ein Konzert oder Festival gehe. Das schützt zumindest meine Ohren.“ Schutz der Ohren Gehörschutz
„Wenn man die richtigen Ohrstöpsel benutzt, klingt die Musik immer noch super.“ Qualität der Musik Sounderlebnis

Schritt 4 – Zusammenfassung der Ergebnisse

Da du nun die Kodes und Kategorien in deinem transkribierten Text genauer bestimmt hast, kannst du deine Ergebnisse anhand der Hauptkategorien zusammenfassen. Das sind Kategorien, die für dein Thema besonders relevant sind.

Außerdem haben sich während der Auswertung sicher viele Beziehungen und Verbindungen innerhalb der Daten gezeigt. Diese sind unbedingt bei der Zusammenfassung der Ergebnisse zu berücksichtigen.

Beispiel: Bildung von Hauptkategorien
Aus dem Kodierungsprozess geht hervor, dass besonders das Aussehen ein wichtiges Thema für die Befragten ist.

Es kann somit als eine zentrale Hauptkategorie angesehen werden und ist ein relevanter Einflussfaktor für die Forschung dieser Bachelorarbeit.

Auch die Grounded-Theory-Methode eignet sich, um dein Experteninterview in mehr Detail auszuwerten.

Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse

Die Erstellung von Kodes und Kategorien, wie wir es beispielhaft am Experteninterview gezeigt haben, findet auf dieselbe Weise auch in der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring statt.

Es wird zwischen 3 Formen der qualitativen Inhaltsanalyse unterschieden:

  • zusammenfassende Inhaltsanalyse
  • explizierende Inhaltsanalyse
  • strukturierende Inhaltsanalyse

Bei der strukturierenden Inhaltsanalyse wird eine Kodierung des untersuchten Materials vorgenommen. Die strukturierende Inhaltsanalyse ist daher eine gängige Auswertungsmethode für qualitative Interviews.

Alternativ kannst du auch die zusammenfassende Inhaltsanalyse oder explizierende Inhaltsanalyse verwenden, um dein qualitatives Interview auszuwerten. Hier wird das Interview entweder auf einen Kurztext reduziert oder extra Material hinzugezogen, um offene Fragen zu klären.

Neben qualitativen Interviews können mit der qualitativen Inhaltsanalyse auch andere Materialien, wie Text, Fotos oder Videos, ausgewertet werden.

Mehr zur qualitativen Inhaltsanalyse

Gütekriterien qualitativer Forschung sicherstellen

Während der Auswertung deines qualitativen Interviews musst du auch die Gütekriterien qualitativer Forschung sicherstellen.

Die 3 Gütekriterien qualitativer Forschung
Transparenz: Deine Forschung ist transparent, wenn du alle wichtigen Arbeitsschritte ausführlich dokumentierst und für Außenstehende nachvollziehbar machst.

Reichweite: Die Reichweite deiner qualitativen Forschung ist gegeben, wenn bei einer Wiederholung ähnliche Ergebnisse erzielt werden können.

Intersubjektivität: Eine Forschung ist intersubjektiv, wenn du die von dir subjektiv gewonnenen Daten diskutierst und reflektierst.

Häufig gestellte Fragen

Wie werte ich ein qualitatives Interview aus?

Für die Auswertung eines qualitativen Interviews bieten sich 4 Schritte an.

Qualitatives Interview auswerten:

  1. Interview durchführen
  2. Interview transkribieren
  3. Interview kodieren
  4. Zusammenfassung der Ergebnisse
Werden alle qualitativen Interviews identisch ausgewertet?

Du kannst alle qualitativen Interviewformen mithilfe der oben genannten 4 Schritte auswerten.

Dazu zählen:

  • unstrukturiertes Interview
  • semistrukturiertes Interview
  • Leitfadeninterview
  • narratives Interview
  • problemzentriertes Interview
  • Gruppendiskussion
Kann ich ein qualitatives Interview mit einer qualitativen Inhaltsanalyse auswerten?

Eine gängige Auswertungsmethode für qualitative Interviews ist die qualitative Inhaltsanalyse. Mithilfe dieser Methode werden die Interviews systematisch ausgewertet, indem sie transkribiert und kodiert werden.

Wie dies funktioniert, zeigen wir dir in den 4 Schritten zur Auswertung qualitativer Interviews.

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Franziska Pfeiffer

Franzi hat ihren Bachelor in Publizistik und Kommunikation in Berlin abgeschlossen und steht nun kurz vor den Masterabschluss. Sie kennt sich besonders gut mit den verschiedenen Forschungsmethoden aus und schreibt leidenschaftlich gerne Artikel, die anderen Studierenden zum Abschluss verhelfen.