So führst du eine Metaanalyse durch

Die Metaanalyse ist die Untersuchung bereits vorhandener einzelner Forschungsarbeiten zu einem bestimmten Thema.

Metaanalyse Definition
Bei der Metaanalyse handelt es sich um eine quantitative bzw. statistische Forschungsmethode.

Du kommst zu deinem eigenen Forschungsergebnis, indem du die Ergebnisse mehrerer Forschungsarbeiten, auch Primärstudien genannt, miteinander vergleichst.

In 6 Schritten zur Metaanalyse

Mit diesen 6 Schritten gelingt es dir, deine eigene Metaanalyse durchzuführen:

  1. Forschungsfrage entwickeln
  2. Primärstudien finden
  3. Primärstudien prüfen
  4. Primärstudien kodieren
  5. Die Metaanalyse durchführen
  6. Die Ergebnisse präsentieren

1. Forschungsfrage entwickeln

Überlege dir eine Forschungsfrage, die du beantworten möchtest. Formuliere in der Frage deutlich, was das Ziel deiner Untersuchung ist und grenze deinen Forschungsgegenstand genau ein.

Beispiel
Lindert Aspirin den Schmerz von Patientinnen und Patienten nach einer Operation effektiver als ein Placebo?

2. Primärstudien finden

Suche Studien, die sich bereits mit derselben oder einer ähnlichen Frage beschäftigt haben. Hierzu kannst du z. B. Google Scholar nutzen. Informiere dich zusätzlich darüber, ob dir deine Universität Zugang zu weiteren Datenbanken anbietet.

Beachte
Je mehr Studien du untersuchst, desto besser wird das Ergebnis deiner Metaanalyse sein.

3. Primärstudien prüfen

Prüfe, welche der Forschungsarbeiten genügend inhaltliche Übereinstimmungen mit deiner Fragestellung haben.

Erstelle eine Liste mit Inklusions- und Exklusionskriterien. Mit dieser Liste beurteilst du, ob die Primärstudien gute methodische Standards erfüllen.

Für deine Metaanalyse verwendest du nur Primärstudien, die inhaltlich dazu geeignet sind, deine Forschungsfrage zu beantworten und methodisch sauber durchgeführt wurden.

4. Primärstudien kodieren

Da die Primärstudien auf unterschiedliche Arten und Weisen durchgeführt wurden, musst du sie vereinheitlichen. Nur so kannst du sie später miteinander vergleichen.

Hierfür kannst du einheitliche Kategorien definieren, nach denen du die Studien einordnest:

Beispiel
Die folgende Tabelle zeigt dir Kategorien, die für die Kodierung der Primärstudien in unserem Beispiel relevant sind.

Kodierkategorien in unserem Beispiel
Überkategorie Kategorieelemente
Studienkontext Alter und Vorerkrankungen der Testpersonen
Studiendesign Abstand zwischen Operation und Behandlung mit Aspirin
Messkategorie(n) Unabhängige Variablen
Studienqualität Du gewichtest die Primärstudien nach ihrer Qualität.
Studienergebnis(se) Vereinheitliche die Ergebnisse der einzelnen Primärstudien so, dass du am Ende für jede Primärstudie eine einheitliche Effektstärke hast. So kannst du die Effekte der einzelnen Primärstudien in der Analyse miteinander vergleichen.

Überlege dir für deine Metaanalyse weitere Kategorien und Kategorieelemente.

5. Die Metaanalyse durchführen

Vereinfacht gesagt berechnest du hier den Mittelwert aller Primärstudien, deren einzelne Forschungsergebnisse du in Schritt 4 vereinheitlicht hast.

Du kannst dafür verschiedene Metaanalysemodellen auswählen. Diese unterscheiden sich in der Gewichtung der verschiedenen Primärstudien.

6. Die Ergebnisse präsentieren

Präsentiere den Lesenden dein Forschungsergebnis in einer Grafik.

Die Grafik ermöglicht es, die Effektgrößen aller Primärstudien und das Ergebnis deiner Metaanalyse auf einen Blick abzulesen.

Die Vorteile der Metaanalyse

Die Metaanalyse bietet einige Vorteile:

  • Metaanalysen bieten eine gute Möglichkeit, bisherige Forschungserkenntnisse zusammenzufassen und anschließend neue Forschungstätigkeiten zu planen.
  • Sind die Datensammlungen einzelner Forschungsarbeiten zu klein, lassen sich durch die Analyse mehrerer Primärstudien zuverlässigere Erkenntnisse ableiten.
  • Unterscheiden sich die Ergebnisse einzelner Forschungsarbeiten stark voneinander, kann eine Metaanalyse einen guten Überblick über diese uneinheitlichen Befunde liefern.

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Die Herausforderungen der Metaanalyse

Um eine gute Metaanalyse durchzuführen, solltest du einige Herausforderungen beachten:

Herausforderungen
‚Müll rein, Müll raus‘-Problem Datenrecycling
Methodisch schwache Studien können deine Ergebnisse verschlechtern.

Gewichte methodisch bessere Primärstudien deshalb stärker als solche, die methodisch schwächer sind!

Manchmal veröffentlichen Forschende mehrere Studien, die sich auf dieselben Daten beziehen.

Verwende dann nur ein Ergebnis für deine Metaanalyse, damit diese Studien nicht überproportional viel Gewicht bekommen.

‚Äpfel und Birnen‘-Problem Publikationsverzerrung
Die untersuchten Primärstudien sollten nicht zu unterschiedlich sein.

Sonst vergleichst du ‚Äpfel und Birnen‘ miteinander.

Häufig werden vor allem Forschungsarbeiten veröffentlicht, die eine Vermutung bestätigen oder ein eindeutiges Ergebnis liefern.

Um diese ‚Publikationsverzerrung‘ zu korrigieren kannst du z. B. unveröffentlichte Forschungsarbeiten, sogenannte ‚graue Literatur‘, in die Metaanalyse aufnehmen.

Beachte
Graue Literatur‘ wird nicht immer überprüft. Es ist daher wichtig, diese besonders kritisch zu lesen, um zu entscheiden, ob du sie in deiner Arbeit verwendest.

Metaanalyse Beispiel

Hier findest du zwei Metaanalyse Beispiele.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Metaanalyse?

Eine Metaanalyse ist eine statistische Untersuchung einzelner bereits vorhandener einzelner Forschungsarbeiten zu einem bestimmten Thema.

Wo finde ich weitere Informationen zur Metaanalyse?

Hier findest du weitere Quellen zur Metaanalyse:

Plonsky, L. & Oswald, F. (2012). How to do a Meta-Analysis, Mackey, A. & Gass, S. M (Hrsg.) Research Methods in Second Language Acquisition. A practical guide, 275-295. Wiley-Blackwell

Weckmann, G. & Chenot, J. F. & Reber, K. C. (2015). Metaanalysen lesen und interpretieren: eine praktische Anleitung. ZFA – Zeitschrift für Allgemeinmedizin, 91(11), 469-73.

Haidich A. B. (2010). Meta-analysis in medical research, Hippokratia, 14(1), 29–37.

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Tobias Solis

Hi, ich bin Tobias und ich habe Musik, Geschichte und European Studies in Berlin, Regensburg und Madrid studiert. Nachdem ich bereits als Lehrer Wissen vermittelt habe, bereitet es mir nun beim Schreiben viel Freude, komplexe Themen aufs Wesentliche herunterzubrechen.