Gruppendiskussion als Methode für die wissenschaftliche Arbeit + Beispiele

Eine Gruppendiskussion ist eine Methode der qualitativen Datenerhebung, bei der eine ausgewählte Gruppe an Teilnehmenden gleichzeitig zu einem Thema befragt wird.

Die Diskussion unter den Teilnehmenden wird aufgezeichnet und qualitativ ausgewertet.

Der Zweck einer Gruppendiskussion ist es, Informationen zu sammeln, um die Meinung einer Gruppe in Erfahrung zu bringen.

Eine Gruppendiskussion ist ähnlich wie die Methode der Umfrage, wird jedoch nur mit offenen Fragen geführt und lässt Raum für Diskussion. Anders als bei Einzelinterviews kann sich unter den Teilnehmenden eine eigene Dynamik entwickeln, da sie die Themen zusammen besprechen.

Diese Themen eignen sich für die Gruppendiskussion

Das Ziel einer Gruppendiskussion ist es, Einstellungen und Meinungen anderer in Erfahrung zu bringen. Deswegen eignet sich die Gruppendiskussion insbesondere für die Untersuchung folgender Themen:

Verhaltens- und Nutzungskonzepte

Beispiel: „Wie nutzen Studierende der Medienwissenschaften Blogs?“

Für dieses Thema führst du eine Gruppendiskussion mit Bachelor-Studierenden der Medienwissenschaft durch und befragst sie, ob und wie sie Blogs verwenden.

Einstellungen

Beispiel: „Wie sind Berufstätige über 60 dem in Deutschland festgelegten Rentenalter gegenüber eingestellt?“

Für dieses Forschungsinteresse suchst du eine Gruppe von berufstätigen Menschen über 60 zusammen und lässt sie ihre Meinung zu diesem Thema diskutieren.

Vorstellungen

Beispiel: „Helfen Praktika beim Berufseinstieg?“

Hier kannst du beispielsweise eine Gruppe von Schulkindern im Alter zwischen 16 und 18 diskutieren lassen, ob sie der Meinung sind, dass das Absolvieren von Praktika tatsächlich den Berufseinstieg erleichtert.

Beachte: Bei der Gruppendiskussion geht es nicht darum, individuelle Geschichten und Erfahrungen der Teilnehmenden aufzuzeigen, sondern die Meinung der Gruppe als Ganzes zu erfassen.

So führst du eine Gruppendiskussion durch

1. Einen Leitfaden entwerfen

Die Gruppendiskussion sollte circa eine bis anderthalb Stunden dauern und von einer Moderation geleitet werden. Idealerweise nehmen sechs bis zehn Personen an der Diskussion teil.

Anhand eines Leitfadens solltest du durch die Gruppendiskussion führen. In deinem Leitfaden musst du dir über die folgenden Fragen Gedanken machen:

  • Wie führst du in das Thema ein?
  • Welche Fragen wirst du stellen, um deine Forschungsfrage zu beantworten?
  • Wie lenkst du die Teilnehmenden in die richtige Richtung falls sie vom Thema abschweifen?
  • Wie animierst du die Teilnehmenden zur Diskussion, falls diese nur schwer in die Gänge kommt?
  • Wie reagierst du auf bestimmte Antworten?

2. Teilnehmende auswählen und kontaktieren

Um Teilnehmende für deine Gruppendiskussion zu finden, solltest du dir deiner Zielgruppe bewusst sein.

Wenn du herausfinden möchtest, was BWL-Studierende von einem bestimmten Thema halten, bringt es dir nichts, Germanistik-Studierende diskutieren zu lassen. Auch Freunde oder Bekannte zu fragen ist deswegen bei der Gruppendiskussion nicht zielführend.

Um deine Zielgruppe zu erreichen, kann ein Aufruf an den folgenden Orten hilfreich sein:

  • Interessengruppen auf Facebook oder anderen sozialen Medien.
  • Aushang an der Uni mit einer kurzen Beschreibung und deinen Kontaktdaten.
  • Deinen Dozenten fragen, ob du über den Uni-Verteiler eine E-Mail verschicken kannst.

Es ist außerdem eine gute Idee sich eine kleine Aufmerksamkeit zu überlegen, um sich für die Teilnahme zu bedanken. Das können beispielsweise Kaffee, Snacks oder ein kleiner Gutschein sein.

Einwilligungserklärung einholen

Du musst dir von deinen Teilnehmenden das Einverständnis holen, um ihre Daten sammeln und verarbeiten zu können. Dafür kannst du ihnen eine Einwilligungserklärung vorlegen, die du unterschrieben von ihnen zurück brauchst.

3. Gruppendiskussion durchführen

Die Gruppendiskussion solltest du mit einem Handy oder einem Diktiergerät aufnehmen und im Idealfall Notizen zu der allgemeinen Stimmung unter den Teilnehmenden machen.

Deinen Leitfaden solltest du ausgedruckt mitbringen und dich im Laufe der Diskussion darauf beziehen.

Rolle der Gruppenleitung

Die Gruppenleitung einer Diskussion übernimmt eine wichtige Rolle, denn sie…

  • … legt fest, wann das Gespräch beginnt und endet.
  • … führt neue Fragen ein.
  • … lenkt die Diskussion in bestimmte Richtungen.
  • … stellt sicher, dass alle Teilnehmenden sich in die Diskussion einbringen und die gleiche Chance erhalten, ihre Meinungen zu äußern.

Beachte: Die Gruppenleitung darf die Meinung der Teilnehmenden nicht beeinflussen, indem sie z. B. eine eigene Wertung zu einem bestimmten Thema äußert.

4. Gruppendiskussion auswerten

Um aus der Gruppendiskussion anschließend einen Nutzen für deine wissenschaftliche Arbeit zu ziehen, musst du sie auswerten. Dafür musst du die aufgenommene Audio-Datei transkribieren.

Ähnlich wie beim Kodieren des Experteninterviews kannst du die Antworten der Teilnehmenden nun bestimmten Kategorien zuordnen, die du anhand von Literaturrecherche in deinem theoretischen Rahmen festgelegt hast.

Du stellst fest, wie das Gesagte mit bereits vorhandenen Theorien übereinstimmt und wie das deine Forschungsfrage beantwortet.

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Vor- und Nachteile der Gruppendiskussion

Ob eine Gruppendiskussion die passende Methode für deine wissenschaftliche Arbeit ist, kommt auf dein Thema und deine Forschungsfrage an. Diese Vor- und Nachteile solltest du ebenfalls im Hinterkopf behalten:

Vorteile:

  • Effiziente Methode für das Sammeln qualitativer Daten – alle Teilnehmenden werden gleichzeitig befragt.
  • Eignet sich gut als dynamischer Einstieg in neue Themen und spiegelt eine alltagsnahe Gesprächssituation wider.
  • Teilnehmende finden Diskussionen oft selbst spannend und interessant.
  • Ergebnisse werden oft schnell ersichtlich.
  • Sensible oder Tabu-Themen können in Gruppendiskussionen oft besser angesprochen werden, wenn die Teilnehmenden ähnliche Erfahrungen teilen und offen darüber reden.

Nachteile:

  • Die Zusammenstellung der Gruppe ist meist nicht repräsentativ, Ergebnisse können nicht generalisiert werden und haben somit geringe externe Validität.
  • Du bist abhängig von der Kooperation der Teilnehmenden – ein gemeinsames Datum muss gefunden werden, an dem alle Zeit haben.
  • Du musst selbstbewusst als Leiter der Gruppendiskussion auftreten können.
  • In vielen Fällen muss die Diskussion verschriftlicht, also transkribiert, werden – das kostet viel Zeit.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Teilnehmende sozial erwünscht antworten, ist in einer Gruppe höher als bei Einzelinterviews.

Beantworte deine Forschungsfrage

Ob du also eine Gruppendiskussion durchführen solltest, kommt ganz auf deine Forschungsfrage an. Denke bei jedem Schritt darüber nach, wie du diese am besten beantworten kannst.

Gerade das Auswählen der Teilnehmenden kann ein entscheidender Faktor für deine Forschung sein, denn diese bestimmen deine Ergebnisse.

Teilnehmende finden

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Franziska Pfeiffer

Franzi hat ihren Bachelor in Publizistik und Kommunikation in Berlin abgeschlossen und steht nun kurz vor den Masterabschluss. Sie kennt sich besonders gut mit den verschiedenen Forschungsmethoden aus und schreibt leidenschaftlich gerne Artikel, die anderen Studierenden zum Abschluss verhelfen.

1 Kommentar

Franziska Pfeiffer
Franziska Pfeiffer (Scribbr-Team)
24. September 2018 um 17:22

Danke fürs Lesen! Ich hoffe dieser Artikel hat dir weitergeholfen. Hast du noch eine Frage? Hinterlasse einen Kommentar und ich werde mich so schnell wie möglich bei dir zurückmelden.

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