Tipps für das Transkribieren deines Interviews

Eine Transkription bezeichnet die Verschriftlichung gesprochener Aufzeichnungen von Interviews. Wenn du im Rahmen deiner qualitativen Forschung Interviews geführt hast, müssen diese transkribiert werden, um sie später auswerten zu können.

Zunächst hört es sich einfach an, einen gesprochenen Text abzutippen. Du solltest jedoch die Transkription von Interviews hinsichtlich des zeitlichen Aufwands nicht unterschätzen.

Interviews zu transkribieren dauert in der Regel 5–10-mal länger als die Länge der Audiodatei.

Transkription Definition

Unter einer Transkription versteht man die Verschriftlichung eines aufgenommenen Interviews.

Wenn du für deine Bachelorarbeit oder Masterarbeit ein Interview durchgeführt hast, musst du dieses anhand der Audioaufnahme im Anschluss verschriftlichen.

Dein erstelltes Transkript bietet dir den Vorteil, dass du es innerhalb deiner Abschlussarbeit zitieren kannst. Du machst deine Forschung außerdem für deine Leserschaft transparent, indem du ihr das Transkript ebenfalls zur Verfügung stellst.

Beachte
Die Transparenz ist eines der Gütekriterien qualitativer Forschung. Die Gütekriterien solltest du sowohl in der qualitativen als auch in der quantitativen Forschung unbedingt einhalten.

5 Tipps zur Erstellung deines Transkripts

Diese 5 Tipps helfen dir beim Transkribieren deines Interviews:

  1. Dokumente organisieren und benennen
  2. Für eine Art der Transkription entscheiden
  3. Genügend Zeit fürs Transkribieren einplanen
  4. Transkriptionssoftware nutzen
  5. Professionelle Transkriptionsdienste anfragen

1. Dokumente organisieren und benennen

Wichtig ist, dass du beim Transkribieren systematisch vorgehst. Organisiere deine Dokumente so, dass du genau weißt, was zusammengehört.

Füge jedem Dokument nicht nur einen Namen, sondern auch ein Datum hinzu und speichere sowohl deine Audiodateien als auch deine Transkriptionen so ab.

2. Für eine Art der Transkription entscheiden

Hier geht es vor allem darum, was transkribiert wird und was nicht.

Es werden 3 Möglichkeiten unterschieden, eine Transkription durchzuführen:

  • Lautsprachliche Transkription: Die Transkription des Interviews erfolgt möglichst genau, also auch unter Beibehaltung des Dialekts und anderer sprachlicher Besonderheiten. Das bedeutet, dass auch Ausdrücke wie ‚äh‘ und ‚hm‘ aufgeschrieben werden.
  • Vereinfachte Transkription: Es wird wörtlich transkribiert, nicht lautsprachlich. Vorhandene Dialekte werden möglichst wortgenau ins Hochdeutsche übersetzt. Satzabbrüche, Stottern und Wortdoppelungen werden ausgelassen. Die Interpunktion wird zugunsten der Lesbarkeit von dir nachträglich gesetzt.
  • Zusammenfassende Transkription: Diese Version findet sich eher selten in wissenschaftlichen Arbeiten. Sie findet eher bei Diskussionen oder Meetings Anwendung. Hier wird nicht Wort für Wort abgetippt, sondern eine Zusammenfassung des Gesagten erstellt. Eine solche Zusammenfassung ist für wissenschaftliche Arbeiten eher weniger geeignet, da hier das gesamte Interview als Transkript in den Anhang eingefügt werden sollte.
Beachte
Welche Version du verwendest, kommt ganz auf deine Forschung an. Wenn du menschliches Verhalten analysierst, interessieren dich vielleicht die Hintergründe für die ‚ähms‘ und ‚ähs‘. Wenn du durch dein Interview pure Fakten gewinnen möchtest, eignet sich die vereinfachte Transkription vielleicht ebenso gut für deine Bachelorarbeit.

Die Entscheidung, welche Art der Transkription du verwendest, bleibt dir überlassen und kann mit einem kurzen Kommentar zu Beginn deiner Bachelorarbeit begründet werden.

3. Genügend Zeit einplanen

Beim Transkribieren eines Interviews wird häufig unterschätzt, wie viel Zeit die Anfertigung eines Transkripts benötigt. Du solltest von der 5–10-fachen Interviewdauer als Transkriptionszeit inklusive Korrekturlesen ausgehen.

Das bedeutet, dass die Transkription eines 1-stündigen Interviews ca. 5–10 Stunden dauern kann.

Wenn du nun mehrere Experteninterviews geführt hast, dauert das Transkribieren mehrere Tage. Diese Zeit solltest du unbedingt rechtzeitig in deinen Zeitplan für die Bachelorarbeit einkalkulieren.

Tipps zur Anfertigung deiner Transkription:

  • Transkribiere so schnell wie möglich nach deinen Interviews, so sind die Gespräche noch frisch in deinem Gedächtnis.
  • Versuche zwischen Interviewführung und Transkription abzuwechseln, damit du nicht in eine Routine gerätst.
  • Unterschätze die Transkriptionszeit auch nicht, wenn du mithilfe von Tools arbeitest.
  • Mach genug Pausen – Konzentration ist wichtig für die Qualität der Transkription.

4. Transkriptionssoftware nutzen

Um dir das Transkribieren zu erleichtern, gibt es einige kostenlose Transkriptionssoftwares, die dir zur Verfügung stehen.

Transkribieren musst du zwar selbst, das gelingt dir mit den Funktionen von Transkriptionssoftwares aber deutlich schneller.

Transkriptionssoftwares geben dir nützliche Tipps, was transkribiert werden muss und was nicht.

Transkriptionssoftwares im Überblick:

Mehr zu Transkriptionssoftwares

5. Professionelle Transkriptionsdienste anfragen

Du kannst das Transkribieren auch bei einem Transkriptionsdienst in Auftrag geben.

Bei der Transkription geht es um eine reine Verschriftlichung des von dir gewonnen Materials. Es ist daher nicht schlimm, wenn der oder die Transkribierende nicht mit deinem Thema vertraut ist.

Außerdem ist es völlig legal, die Transkription deiner Interviews von anderen durchführen zu lassen. Diese müssen nicht namentlich in deiner Bachelorarbeit erwähnt werden. Denn es wird kein neuer Inhalt generiert, sondern nur verschriftlicht, was du bereits vorab aufgenommen hast.

Die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung deines Interviews und somit deine qualitative Forschung führst du dennoch vollständig selbst durch.

Transkriptionsdienste sind allerdings nicht immer kostenlos. Unter anderem stehen dir folgende Transkriptionsdienste zur Verfügung.

Transkriptionsdienste im Überblick:

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  • findet nicht gegenderte Begriffe.
  • schlägt alternative Formulierungen vor.
  • dauert nur ein paar Minuten.

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Die wichtigsten Transkriptionsregeln

Du kannst in vielen Punkten selbst entscheiden, wie du dein Transkript gestalten möchtest. Einige Transkriptionsregeln solltest du jedoch immer beachten.

Grundlegende Transkriptionsregeln:

  • Unterscheidung der Sprechenden: Unterscheide zwischen den verschiedenen Sprechenden, z. B. durch ‚SprecherIn 1‘ und ‚SprecherIn 2‘ oder ‚I‘ für Interviewender und ‚B‘ für befragte Person.
  • Zeilennummerierung: Die Nummerierung von Zeilen ist sinnvoll, um die Interviews in deiner Abschlussarbeit besser zitieren zu können.
  • Zeitmarken: Setze nach einzelnen transkribierten Abschnitten Zeitmarkierungen, damit du einzelne Stellen besser wiederfindest und die Orientierung behältst.

Mehr zu Transkriptionsregeln

Transkription Interview Beispiel

Ein Beispiel eines vereinfachten Interviewtranskripts mit Zeitmarkierungen und der Unterscheidung von Sprechenden sieht so aus.

Beispiel Experteninterview

Experteninterview 1

Interviewpartner: Dr. Franz Zimmermann
Datum: 5. August 2018 um 16 Uhr
Ort: Institut für Kommunikationswissenschaft

00:00:00–00:34:10

I: Hallo nochmal und herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Fragen zu beantworten. #00:00:10#

B: Gar kein Problem. Ich beantworte gerne Ihre Fragen, denn das Thema interessiert mich auch selbst. #00:00:13#

I: Für meine Bachelorarbeit interessiert mich das Thema soziale Medien und wie wir uns immer weiter von traditionellen Medien wie Fernsehen oder Radio wegbewegen. Wie stehen Sie dazu? #00:00:20#

B: Ja, das ist tatsächlich ein Phänomen, das wir seit einiger Zeit schon beobachten können…

Transkript in die Bachelorarbeit integrieren

Nachdem du deine Interviews transkribiert hast, folgt ihre Auswertung. Deine fertigen Transkripte solltest du dazu in den Anhang deiner Bachelorarbeit hinzufügen.

Um deine Interviews auszuwerten, solltest du sie zunächst kodieren und die kodierten Inhalte im Anschluss in Kategorien einordnen. So gelingt es dir, Schlussfolgerungen aus den Interviews zu ziehen und deine Forschungsfrage zu beantworten.

Wenn du bei der Auswertung auf bestimmte Auszüge des geführten Interviews eingehen möchtest, kannst du aus deinem Interview zitieren. Dafür kannst du Antworten der Befragten entweder wörtlich zitieren oder auch paraphrasieren.

Ein selbstgeführtes Interview zu zieren könnte laut APA-Richtlinien beispielsweise so aussehen.

Beispiel Transkript in die Bachelorarbeit integrieren
Aus dem Interview mit Dr. Zimmermann wird deutlich, dass die Gesellschaft immer mehr dem digitalen Wandel unterliegt (siehe Anhang 1.2).

Häufig gestellte Fragen

Wie gehe ich beim Transkribieren vor?

Um das Interview deiner Abschlussarbeit zu transkribieren, solltest du folgende 5 Tipps beachten:

  1. Dokumente organisieren und benennen
  2. Für eine Art der Transkription entscheiden 
  3. Genügend Zeit fürs Transkribieren einplanen
  4. Transkriptionssoftware nutzen
  5. Professionelle Transkriptionsdienste anfragen

Wir geben dir detaillierte Anweisungen zu allen 5 Tipps für das richtige Transkribieren. 

Was ist ein Transkript?

Ein Transkript ist ein verschriftlichtes Dokument von gesprochenen Aufzeichnungen, z. B. eines Interviews.

Wie schreibt man ein Transkript?

Ein Transkript schreibt man durch das Abtippen eines zuvor aufgenommenen Interviews.

Hier musst du dich zwischen drei Arten einer Transkription entscheiden:

  • Lautsprachliche Transkription
  • Vereinfachte Transkription
  • Zusammenfassende Transkription

Du darfst dir dabei beim Transkribieren von Transkriptionssoftware oder professionellen Diensten helfen lassen.

Wie muss ich meine Transkripte in meine Bachelorarbeit integrieren?

Nachdem du das Transkribieren beendest hast, solltest du deine fertigen Transkripte in den Anhang deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit einfügen. Du kannst aus deinen Transkripten zitieren oder paraphrasieren.

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Franziska Pfeiffer

Franzi hat ihren Bachelor in Publizistik und Kommunikation in Berlin abgeschlossen und steht nun kurz vor den Masterabschluss. Sie kennt sich besonders gut mit den verschiedenen Forschungsmethoden aus und schreibt leidenschaftlich gerne Artikel, die anderen Studierenden zum Abschluss verhelfen.