Operationalisierung einfach erklärt mit Beispiel

In der quantitativen Forschung werden durch Operationalisierung theoretische Begriffe in empirisch messbare Merkmale umgewandelt.

Mit der Operationalisierung legst du in deiner Forschungsarbeit daher den Grundstein für die statistische Erhebung und Auswertung deiner Daten.

Im Rahmen der Operationalisierung fragst du dich:
Wie kann ich eine theoretische Annahme so formulieren, dass ich sie mit messbaren Merkmalen statistisch überprüfen kann?

Operationalisierung im quantitativen Forschungsprozess

operationalisierung-beispiel

Für deine quantitative Forschung musst du zu Beginn eine Hypothese festlegen, das du quantitativ überprüfen möchtest.

Aus dem Thema leitest du eine Forschungsfrage ab und stellst eine Annahme über einen möglichen Zusammenhang von Sachverhalten auf.

Diese Annahme wird in der Statistik als Alternativ-Hypothese bezeichnet. Um etwas statistisch zu testen, ist es notwendig, dass du eine gegenteilige Hypothese, die Null-Hypothese, formulierst.

Operationalisierung Beispiel

Unser Beispiel soll den Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und dem Bildungserfolg erforschen.

Thema und Ziel
Dich interessiert das Thema Sozialer Status und Bildungserfolg. Dein Ziel ist herauszufinden, ob der soziale Status der Eltern einen Einfluss auf den Bildungserfolg ihrer Kinder im Gymnasium hat.
Forschungsfrage
Besteht ein Zusammenhang zwischen dem sozialen Status der Eltern und dem Bildungserfolg ihrer Kinder?

Ausgehend von dieser Frage musst du eine statistisch überprüfbare Alternativ-Hypothese aufstellen. Sie beschreibt einen Zusammenhang zwischen zwei Sachverhalten.

Alternativ-Hypothese
Je höher der soziale Status der Eltern ist, desto höher ist der Bildungserfolg ihrer Kinder im Gymnasium.
Null-Hypothese
Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem sozialen Status der Eltern und dem Bildungserfolg ihrer Kinder im Gymnasium.

Damit du nun quantitativ überprüfen kannst, ob deine Hypothese wahr oder falsch ist, musst du die theoretischen Begriffe, die in der Forschungsfrage und Hypothese vorkommen, operationalisieren.

Theoretische Begriffe operationalisieren – so geht’s

Du hast dein Thema, deine Forschungsfrage und deine Hypothesen auf der Grundlage von bisheriger Literatur und dem Forschungsstand spezifiziert.

Die theoretischen Begriffe oder auch die Konstrukte, die du verwendest, werden in der Literatur meistens beschrieben und empirisch erforscht. Mit diesem Hintergrundwissen wird es dir leichtfallen, sie zu operationalisieren.

Die Operationalisierung deiner theoretischen Begriffe erfolgt in 3 Schritten:

  1. Theoretische Begriffe in Variablen umwandeln
  2. Indikatoren für die Variablen festlegen
  3. Merkmalsausprägungen der Indikatoren bestimmen

1. Theoretische Begriffe in Variablen umwandeln

Für die Übersetzung deiner theoretischen Begriffe in die Sprache der Statistik musst du sie in einem ersten Schritt in Merkmale, auch Variablen genannt, umwandeln.

Unser Beispiel der Forschungsfrage
Besteht ein Zusammenhang zwischen dem sozialen Status der Eltern und dem Bildungserfolg ihrer Kinder?

In der Forschungsfrage und Hypothese kommen zwei theoretische Begriffe vor:

  • Sozialer Status und
  • Bildungserfolg

Deine Literaturrecherche ergibt, dass der soziale Status und die Bildung Teil der Schichtungstheorie sind. Diese sagt aus, zu welcher sozialen Schicht jemand gehört.

Zum sozialen Status einer Person zählen die Variablen Beruf, Einkommen und Bildung.

Für den Bildungserfolg der Kinder kannst du die Variable Schulleistung heranziehen.

Du hast deine theoretischen Begriffe in Variablen umgewandelt und kannst sie der Übersichtlichkeit halber in einer Tabelle eintragen.

BegriffVariable
Sozialer StatusBeruf
Einkommen
Bildung
BildungserfolgSchulleistung

2. Indikatoren für die Variablen festlegen

Im zweiten Schritt der Operationalisierung machst du deine Variablen messbar.

Das bedeutet, dass du Sachverhalte quantitativ in Form einer Zahlenzuordnung bestimmst.

Messbare Variablen werden als Indikatoren bezeichnet.

Nach der Recherche hast du deine theoretischen Begriffe sozialer Status und Bildungserfolg in die Variablen Beruf, Einkommen, Bildung und Schulleistung umgewandelt.

Nun müssen für diese Variablen Indikatoren gefunden werden:

  • Den Beruf der Eltern könntest du durch ihren Berufsstatus angeben.
  • Das Einkommen der Eltern kannst du mit dem Indikator Jahreseinkommen messen.
  • Für die Bildung der Eltern verwendest du ihren höchsten Bildungsabschluss.
  • Die Schulleistung der Kinder kannst du mit dem Indikator Noten messen.

Wir erweitern die Tabelle unseres Beispiels mit den gefundenen Indikatoren.

BegriffVariableIndikator
Sozialer StatusBerufBerufsstatus der Eltern
EinkommenNetto-Jahreseinkommen der Eltern
BildungHöchster Bildungsabschluss der Eltern
BildungserfolgSchulleistungNoten im Jahreszeugnis der Schüler

3. Merkmalsausprägungen der Indikatoren bestimmen

Im dritten Schritt der Operationalisierung bestimmst du die Merkmalsausprägungen für deine Variablen bzw. Indikatoren.

Oft gibt es für Variablen und Indikatoren bereits wissenschaftlich etablierte Ausprägungen. Damit deine Ergebnisse mit anderen Studien vergleichbar sind, solltest du auf bereits bestehende Ausprägungen zurückgreifen.

Du findest diese z. B. in statistischen Datenbanken wie:

Die Spalte Merkmalsausprägungen vervollständigt unser Beispiel zur Operationalisierung.

Du hast somit für deine theoretischen Begriffe geeignete Variablen, Indikatoren und Merkmalsausprägungen gefunden.

BegriffVariableIndikatorMerkmalsausprägungen
Sozialer StatusBerufBerufsstatus der Eltern1: Führungskraft
2: Akademiker
3: Techniker
4: Bürokraft
5: Dienstleistungsberuf
6: Fachkraft Landwirtschaft
7: Handwerker
8: Maschinenbediener
9: Hilfsarbeiter
EinkommenNetto-Jahreseinkommen der Eltern1: Unter 10.000€
2: 10.000-20.000€
3: 20.000-30.000€
4: 30.000-40.000€
5: 40.000-50.000€
6: Über 50.000€
BildungHöchster Bildungsabschluss der Eltern1: Grundschulabschluss
2: Sekundarabschluss
3: Abschluss berufsbildende höhere Schule
4: Bachelorabschluss
5: Masterabschluss
6: Promotion
BildungserfolgSchulleistungNoten im Jahreszeugnis der Schüler1: sehr gut
2: gut
3: befriedigend
4: ausreichend
5: mangelhaft
6: ungenügend

Nach der Operationalisierung kannst du im Forschungsprozess nun mit der Erhebung und Auswertung deiner Daten fortfahren.

Danach schreibst du deinen Ergebnisbericht. Darin hältst du natürlich auch fest, wie du deine theoretischen Begriffe operationalisiert hast.

War dieser Artikel hilfreich?
Priska Flandorfer

Priska arbeitet im Bereich Content Writing. Sie ist promovierte Sozialwissenschaftlerin und hilft gerne anderen Studierenden beim Bestehen ihrer Abschlussarbeiten.

1 Kommentar

Priska Flandorfer
Priska Flandorfer (Scribbr-Team)
14. März 2019 um 16:07

Danke fürs Lesen! Ich hoffe dieser Artikel hat dir weitergeholfen. Hast du noch eine Frage? Hinterlasse einen Kommentar und ich werde mich so schnell wie möglich bei dir zurückmelden.

Hinterlasse einen Kommentar oder eine Frage