Primärquelle und Sekundärquelle | Beispiele und Unterschiede

Die Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärquellen wird in der Geschichtswissenschaft gemacht, um die Nähe einer Quelle zu einem historischen Ereignis bzw. einer Entwicklung auszudrücken.

Primärquellen sind Zeugnisse aus erster Hand. Sie stehen einem historischen Ereignis bzw. einer Entwicklung zeitlich und räumlich näher als Sekundärquellen.

Sekundärquellen sind Quellen, die sich auf Primärquellen beziehen.

Beispiel Primär- und Sekundärquelle
Primärquelle Sekundärquelle
Tagebucheintrag einer Person A, die beim Fall der Berliner Mauer anwesend war. Rede der Berliner Bürgermeisterin, die anlässlich des 30-jährigen Mauerfalljubiläums beschreibt, wie Person A den Fall der Berliner Mauer erlebt hat.

In anderen Wissenschaften wird diese Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärquellen nicht gemacht. Dort werden die Begriffe Primär- und Sekundärquelle oft synonym zu den Begriffen Primär- und Sekundärliteratur verwendet.

Primär- und Sekundärquellen in der Geschichtswissenschaft

Die Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärquelle dient Forschenden im Rahmen der Quellenkritik als Hinweis zur Beurteilung der Aussagekraft einer Quelle.

Häufig wird Primärquellen eine höhere Aussagekraft beigemessen als Sekundärquellen, weil ihre zeitliche und räumliche Nähe zum Untersuchungsgegenstand als Vorteil gelten.

Allerdings gilt dies nicht immer: Sekundärquellen können durch ihre zeitliche Distanz sowie durch einen Vergleich mehrerer Primärquellen eine objektivere Schilderung liefern als Primärquellen.

Beispiel: Aussagekraft von Primär- und Sekundärquellen
Primärquelle Sekundärquelle
In Über den Gallischen Krieg liefert Julius Caesar einen Bericht aus erster Hand über den gallischen Krieg.

Der Bericht ist aber durch seine machtpolitischen Ambitionen geprägt und stark subjektiv.

Für sein Werk Germania benutzte Tacitus Caesars Werk als Quelle. Er selbst war nie in Gallien.

Je nach Fragestellung kann sein Werk eine objektivere Quelle sein als Caesars Über den Gallischen Krieg.

Sekundärliteratur kann zu Primärliteratur werden

Die Unterscheidung zwischen Primärquellen und Sekundärquellen ist relativ. Je nach Fragestellung können Sekundärquellen auch Primärquellen sein und umgekehrt.

Beispiel Sekundärquelle wird zu Primärquelle
Wenn du das Germanenbild der römischen Gesellschaft gegen Ende des ersten Jahrhunderts untersuchen willst, stellt Tacitus’ Germania eine Primärquelle dar, weil seine Darstellung aus dieser Zeit stammt.

Primär- und Sekundärquellen in anderen Wissenschaften

In anderen Wissenschaften werden Primär- und Sekundärquellen oft mit Primär- und Sekundärliteratur gleichgesetzt.

Der untersuchte Gegenstand wird dann als Primärquelle bzw. Primärliteratur bezeichnet.

Die Forschungsliteratur, in der der untersuchte Gegenstand beschrieben, analysiert und interpretiert wird, wird als Sekundärquelle bzw. Sekundärliteratur bezeichnet.

Beispiel Primär- und Sekundärquelle in der Medien- und Kommunikationswissenschaft
Primärquelle Sekundärquelle
Das Videospiel Skyrim Eine wissenschaftliche Arbeit, in der untersucht wird, welche gesellschaftlichen Werte in der mittelalterlichen Fantasiewelt des Videospiels vermittelt werden.
Beispiel Primär- und Sekundärquelle in der Literaturwissenschaft
Primärquelle Sekundärquelle
Goethes literarischer
Text Der Erlkönig
Eine wissenschaftliche Arbeit, in der untersucht wird, wie Goethe in seinem Gedicht Angst und Empathie bei den Lesenden erzeugt.

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Quellen und Literatur sind nicht das Gleiche

In der Geschichtswissenschaft wird zwischen Quelle und Literatur bzw. zwischen Quelle und Darstellung unterschieden.

Definition Quelle: ‚Alle Texte, Gegenstände oder Tatsachen, aus denen Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann.‘ (Paul Kirn)

Beispiele für Quellen
Texte:
Schriftquellen
Gegenstände:
Sachquellen
Tatsachen:
gegenstandslose/abstrakte Quellen
  • Briefe
  • Verträge
  • Tagebücher
  • Reden
  • Zeitungsartikel
  • Akten
  • Urkunden
  • Protokolle
  • Geschichtsdarstellungen
  • Gebäude
  • Münzen
  • Kunstwerke
  • Werkzeuge
  • Möbel
  • Waffen
  • Kochgeschirr
  • Kleidung
  • Fahrzeuge
  • Maschinen
  • Körperliche Überreste
  • Sprachen
  • Namen
  • Institutionen
  • Feste
  • Traditionen
  • Rituale
  • Religionen
  • Strukturen
  • Entwicklung von Sprach- oder Landesgrenzen

Definition Literatur: wissenschaftliche Darstellungen, die geschichtliche Entwicklungen und Ereignisse durch das Auswerten von Quellen beschreiben, analysieren, interpretieren und beurteilen.

Beispiele für Literatur:

  • Monografien
  • wissenschaftliche Fachzeitschriften
  • Sammelbände
  • Handbücher
  • Lexika
  • Aufsätze
  • Buchbesprechungen
Beachte
Auch Literatur kann zur Quelle werden.

Beispiel: Mit deiner Fragestellung möchtest du die Geschichtsschreibung zur Zeit des Kalten Krieges untersuchen. Daher wertest du wissenschaftliche Forschungsliteratur aus dieser Zeit als Quelle aus.

Primärquellen und Sekundärquellen finden

Hier kannst du Quellen finden:

  • Onlinekatalog (OPAC) von Universitätsbibliotheken
  • Onlinearchive
  • Archive
  • Quellen- und Literaturverzeichnis existierender Arbeiten
  • Mitarbeitende der Universität, der Bibliothek oder eines Archivs um Tipps bitten

Für die Quellensuche ist es hilfreich, die Arten von Quellen zu kennen. Es gibt Quelleneditionen und Archivalien.

Quelleneditionen wurden bereits bearbeitet, d. h., sie enthalten Anmerkungen und ggf. Ergänzungen. Quelleneditionen können über den Onlinekatalog der Universitätsbibliothek recherchiert werden. Sie werden auch als Quellensammlungen bezeichnet.

Archivquellen sind unbearbeitete Quellen. Sie sind teilweise digitalisiert und können dann über Onlinearchive angesehen werden.

Primärquellen nach Sekundärquellen zitieren

Es kann vorkommen, dass du in einer Sekundärquelle ein relevantes Zitat einer Primärquelle findest, die Primärquelle aber verloren gegangen ist oder du keinen Zugriff bekommen kannst.

Um eine solche Textpassage richtig zu zitieren, musst du angeben, dass du sie nach der Sekundärquelle zitierst.

Dazu nennst du zunächst die Primärquelle, gefolgt von ‚zitiert nach‘ und der Quelle, in der du das Zitat gefunden hast.

Beispiel: Quellenangabe veröffentlichte Abschlussarbeit
Quellenangabe im Literaturverzeichnis Nachname, Vorname: Titel der Primärquelle, Auflage, Ort, Land: Verlag, Seitenzahl, zitiert nach: Nachname, Vorname: Titel der Sekundärquelle, Auflage, Ort, Land: Verlag.
Beispiel Quellenangabe im Literaturverzeichnis Cornelius, Julius: Historia Romana, 810, S. 35, zitiert nach von Ranke, Leopold: Weltgeschichte, Bd. 1, 2. Aufl., Leipzig, Deutschland: Duncker & Humblot, 1896.
Beispiel Fußnote (ab der zweiten Fußnote) Vgl. Cornelius, 810, S. 35, zitiert nach von Ranke, 1896, S. 135.
Quellenangabe im Literaturverzeichnis Nachname, Initialen (Jahr). Titel der Primärquelle (Auflage). Verlag, zitiert nach Nachname, Initialen (Jahr). Titel der Sekundärquelle (Auflage). Verlag.
Beispiel Quellenangabe im Literaturverzeichnis Cornelius, J (810). Historia Romana zitiert nach von Ranke, L. (1896). Weltgeschichte, Bd. 1 (2. Aufl.). Duncker & Humblot.
Beispiel Verweis im Text (Cornelius, 810, zitiert nach von Ranke, 1896, S. 135)
Quellenangabe im Literaturverzeichnis Nachname, Vorname (Jahr): Titel der Primärquelle, Auflage, Ort, Land: Verlag, zitiert nach Nachname, Vorname (Jahr): Titel der Sekundärquelle, Auflage, Ort, Land: Verlag.
Beispiel Quellenangabe im Literaturverzeichnis Cornelius, Julius (810): Historia Romana zitiert nach von Ranke, Leopold (1896): Weltgeschichte, Bd. 1, 2. Aufl., Leipzig, Deutschland: Duncker & Humblot.
Beispiel Verweis im Text (Cornelius 810 zitiert nach von Ranke, 1896: 135)

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer Primär- und einer Sekundärquelle?

Primärquellen sind Zeugnisse aus erster Hand. Sie stehen einem historischen Ereignis bzw. einer Entwicklung zeitlich und räumlich näher als Sekundärquellen.

Sekundärquellen sind Quellen, die sich auf Primärquellen beziehen.

Welche Primärquellen gibt es?

Primärquellen können u. a. in folgender Form vorliegen:

  • Briefe
  • Verträge
  • Tagebücher
  • Reden
  • Zeitungsartikel
  • Akten
  • Urkunden
  • Protokolle
  • Geschichtsdarstellungen
Was ist der Unterschied zwischen Sekundärliteratur und Quellen?

Als Sekundärliteratur werden wissenschaftliche Texte bezeichnet, die geschichtliche Entwicklungen und Ereignisse durch das Auswerten von Quellen beschreiben, analysieren, interpretieren und beurteilen.

Quellen sind die Texte, Gegenstände oder Tatsachen, auf die sich diese wissenschaftliche Darstellung, die Sekundärliteratur, bezieht. Quellen können z. B. Tagebücher, Reden und Akten sein.

Die Unterscheidung zwischen Quellen und Literatur wird vor allem in den Geschichtswissenschaften gemacht. In anderen Wissenschafte werden die Begriffe Literatur und Quellen oft synonym gebraucht.

Kann ich Primärquellen nach Sekundärquellen zitieren?

Ja, um eine Primärquelle nach einer Sekundärquelle zu zitieren, musst du angeben, dass du das Zitat aus einer Sekundärquelle entnommen hast.

Dazu nennst du zunächst die Primärquelle, gefolgt von ‚zitiert nach‘ und der Quelle, in der du das Zitat gefunden hast.

Wie finde ich Primärquellen?

Hier kannst du Primärquellen finden:

  • Onlinekatalog (OPAC) von Universitätsbibliotheken
  • Onlinearchive
  • Archive
  • Quellen- und Literaturverzeichnis existierender Arbeiten
  • Mitarbeitende der Universität, der Bibliothek oder eines Archivs um Tipps bitten

Quellen für diesen Artikel

Wir empfehlen Studierenden nachdrücklich, Quellen in ihrer Arbeit zu verwenden. Du kannst unseren Artikel zitieren oder dir mit den Artikeln weiter unten einen tieferen Einblick verschaffen.

Diesen Scribbr-Artikel zitieren

Solis, T. (24. März 2022). Primärquelle und Sekundärquelle | Beispiele und Unterschiede. Scribbr. Abgerufen am 3. Oktober 2022, von https://www.scribbr.de/richtig-zitieren/primaerquelle-sekundaerquelle/

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Tobias Solis

Hi, ich bin Tobias und ich habe Musik, Geschichte und European Studies in Berlin, Regensburg und Madrid studiert. Nachdem ich bereits als Lehrer Wissen vermittelt habe, bereitet es mir nun beim Schreiben viel Freude, komplexe Themen aufs Wesentliche herunterzubrechen.